Help Point: PK-Einkäufe sind nicht immer das Beste

Ich reduziere mein Arbeitspensum von 80 auf 70 Prozent. Lohnt es sich, die dadurch entstehende Lücke der Pensionskasse mit freiwilligen Einkäufen zu füllen? Oder raten Sie, den entsprechenden Betrag eigenständig zu investieren und erst vor der Pensionierung in die 2. Säule einzuzahlen? Ich bin 47 Jahre alt, verheiratet und habe eine neunjährige Tochter. A. H. in S.

Als Erstes stellt sich die Frage, ob Sie überhaupt freiwillige Einkäufe tätigen dürfen. Mit einer Reduktion des Arbeitspensums wird sich höchstwahrscheinlich auch die Höhe der maximalen Einkaufssumme verringern. Die reglementarische Einkaufssumme ist unter anderem abhängig von Ihrem AHV-Lohn. Wenn nun der Lohn gekürzt wird, verkleinert sich häufig auch die maximale Einkaufssumme. Wie hoch die Einkaufssumme in Ihrem Fall wird, müssen Sie bei Ihrer Vorsorgeeinrichtung anfragen.

Gehen wir mal davon aus, das Pensionskassenreglement gestatte in Ihrem Fall freiwillige Einkäufe. Sollen diese nun sofort oder erst kurz vor der Pensionierung getätigt werden? Auch diese Frage hängt vom Reglement Ihrer Pensionskasse ab. Und zwar von der Frage, ob die Risikoleistungen vom Lohn oder vom Pensionskassenguthaben abhängig sind. Bei den Risikoleistungen denke ich an die Invaliditäts- und an die Hinterlassenenrenten. Gerade für Sie als Mutter einer neunjährigen Tochter dürften die Hinterlassenenrenten von grosser Bedeutung sein. Leider nützen Ihnen zusätzliche Einkäufe nichts, wenn die Renten aufgrund des Lohnes berechnet werden. Die Invaliditäts- und Hinterlassenenrenten würden bei zusätzlichen Einkäufen nicht erhöht. In diesem Fall kaufen Sie mit diesem Geld lieber Wertschriften.

Werden hingegen die Renten anhand Ihres Pensionskassenguthabens berechnet, so sind freiwillige Einkäufe zu empfehlen. Je höher das Kapital, desto besser der Versicherungsschutz. Kommt hinzu, dass Sie die freiwilligen Einkäufe erst noch vom steuerbaren Einkommen in Abzug bringen können.

Je nach Pensionskasse müssen Sie damit rechnen, dass die freiwilligen Einkäufe sehr schlecht verzinst werden. Der gesetzliche Mindestzins beträgt derzeit zwar 2,5 Prozent. Doch dieser Mindestzins gilt nur für den obligatorischen Teil. Gut möglich, dass der überobligatorische Teil schlechter verzinst wird. Und die freiwilligen Einkäufe gehören zu diesem überobligatorischen Teil. Allerdings würde ich mich mit dieser Frage nicht gross beschäftigen. Wenn man bedenkt, dass Sie die zusätzlichen Einkäufe vom steuerbaren Einkommen abziehen können und dadurch erst noch den Versicherungsschutz verbessern, sind die freiwilligen Einkäufe so oder so interessant - selbst wenn der einbezahlte Betrag vorübergehend zu null Prozent verzinst würde.

 

Erschienen im CASH am 5. Oktober 2006

Claude Chatelain