Für wen passt welche Police am besten?

Die Finanzindustrie hat neben der klassischen Lebensversicherung längst eine Vielzahl von Varianten kreiert. CASH Special sagt, welche am besten zu Ihnen passt.

Der Klassiker unter den Gemischten: Die gemischte klassische Lebensversicherung gegen periodische Prämien

Versichert gegen eine jährliche Prämie ein Todesfall- und ein Erlebensfallkapital. Letzteres kommt bei Vertragsablauf zur Auszahlung, sofern der Versicherungsnehmer nicht vorher verstorben ist. Je nach Finanzerträgen und Risikoverlauf werden zusätzlich noch Überschüsse ausbezahlt. Es handelt sich damit um eine gemischte Versicherung, eine Risiko- wie auch Sparversicherung.

  • Eignet sich für Leute, die mit Vorsorgefragen möglichst wenig zu tun haben und sich bewusst einen Sparzwang auferlegen wollen.
  • Schon mit der ersten Prämienzahlung besteht ein Versicherungsschutz gegen Tod. Der Versicherungsnehmer unterliegt einem Sparzwang.
  • Die Notwendigkeit des Risikoschutzes verändert sich im Laufe der Zeit. Dennoch bleibt die Versicherungsdeckung unverändert. Undurchsichtige Zuteilung der Überschüsse.

Der Schutz für die Familie: Die Todesfallrisikoversicherung mit abnehmender Prämie

Üblicherweise wird die reine Todesfallrisikoversicherung mit einer konstanten Versicherungssumme angeboten. Möglich ist auch, eine abnehmende Todesfallsumme zu versichern. Man vereinbart zum Beispiel ein anfängliches Todesfallkapital von 200000 Franken über eine Laufzeit von 20 Jahren. Die versicherte Todesfallsumme nimmt linear ab. Stirbt der Versicherungsnehmer nach zehn Jahren, gibts für die Hinterbliebenen noch 100000 Franken.

  • Eignet sich für Familien: Je älter die Kinder, desto eher hat die Witwe die Möglichkeit, verstärkt einer Erwerbstätigkeit nachzugehen. Daher sinkender Risikoschutz.
  • Im Vergleich zur Versicherung mit konstanter Todesfallsumme liegen die Prämien um 30 bis 40 Prozent tiefer.
  • Geringer Bekanntheitsgrad. Zudem verkaufen Makler lieber Lebensversicherungen mit höheren Prämien.

Die Police für Couchpotatoes: Die fondsgebundene Lebensversicherung mit garantiertem Erlebensfallkapital gegen periodische Prämien

Anders als bei gewöhnlichen Fondspolicen wird nicht nur das Todesfall-, sondern auch das Erlebensfallkapital garantiert. Dies geschieht, indem die Nettosparprämie in kapitalgeschützte Fonds fliesst. In anderen Fällen wird die Garantie durch die Gesellschaft übernommen. Durch die gestaffelten Einzahlungen wird aber das Risiko bereits gestreut. Der zusätzliche teure Kapitalschutz ist unnötig. Wer einen Gurt umschnallt, braucht nicht auch noch Hosenträger.

  • Eignet sich für Aussendienstmitarbeiter, weil sich gut verkaufen lässt, was mit dem Stempel «Garantie« daherkommt.
  • Grössere Transparenz als bei der klassischen Variante. Garantiertes Erlebensfallkapital.
  • Unflexible Lösung, deren Rendite tiefer ausfallen wird als bei fondsgebundenen Policen ohne Kapitalschutz. Der Rückkauf kommt ebenfalls teuer.

Der typische Obligationenersatz:Die klassische Lebensversicherung gegen Einmalprämie

Statt jahrelang Prämien zu zahlen, wird diese auf einen Schlag bezahlt. Die versicherte Todesfallsumme liegt nur unwesentlich über der Einmalprämie. Es handelt sich somit um ein reines Sparvehikel. Die Auszahlung des Erlebensfallkapitals ist steuerfrei, sofern die Laufzeit mindestens fünf Jahre gedauert hat, das Kapital nicht vor Alter 60 bezogen und der Vertrag nicht nach Alter 66 abgeschlossen wird.

  • Eignet sich als Obligationenersatz. Aber nur für Leute ab 50 Jahren, da das Kapital sonst zu lange gebunden bleibt.
  • Einmalprämienversicherungen kommen dank steuerlicher Begünstigung auf eine höhere Rendite als mündelsichere Obligationen.
  • Rentiert nur, wenn die in Aussicht gestellten Überschüsse auch ausbezahlt werden, was aber durch die Gesellschaft nicht garantiert wird.

Das Kind der Börseneuphorie: Die fondsgebundene Lebensversicherung gegen Einmalprämie

Die Nettosparprämie - Bruttoprämie minus Risikoprämie und Abschlusskosten - fliesst nicht in den Topf der Versicherung, sondern in einen bestimmten Fonds. Angeboten werden die unterschiedlichsten Anlagefonds. Die steuerlichen Hürden liegen hier höher als bei der klassischen Variante: Damit das Erlebensfallkapital steuerfrei bleibt, muss die Laufzeit des Vertrages bei der fondsgebundenen Variante nicht mindestens fünf, sondern mindestens zehn Jahre betragen.

  • Eignet sich als Obligationenersatz eines breit diversifizierten Portefeuilles, sofern der Sparteil in einen Obligationenfonds fliesst.
  • Zins und Zinseszins sind steuerfrei. Höhere Transparenz als bei der klassischen Variante.
  • Eingeschränkte Flexibilität, weil die Steuerbegünstigung an Bedingungen geknüpft wird: Bezug nicht vor Alter 60.

Der jüngste Modegag: Die fondsgebundene Lebensversicherung gegen Einmalprämie mit garantiertem Erlebensfallkapital

Bei der klassischen Einmalprämienversicherung ist die Überschusszuteilung undurchsichtig, bei der fondsgebundenen Versicherung ist das Erlebensfallkapital nicht garantiert, also entwickelte die Finanzindustrie eine transparente Variante mit einer garantierten Erlebensfallleistung. Je nach zugrunde liegendem Fonds gestaltet sich die Garantie unterschiedlich. Was derartige Produkte gemeinsam haben: Die garantierte Leistung fällt höchst bescheiden aus.

  • Eignet sich für Anleger, die nur dann gut schlafen können, wenn das Erlebensfallkapital eine Mindestgarantie enthält.
  • Absicherung gegen den Fall, dass die Börsenkurse in zehn Jahren tiefer sein sollten als im Zeitpunkt der Einzahlung.
  • Geringe Kursfantasie, weil nur konservative Anlagen getätigt oder teure Absicherungsinstrumente eingesetzt werden können.

 

Der Klassiker unter den Reinen: Die Todesfallrisikoversicherung mit konstanter Prämie

Im Unterschied zu den gemischten Versicherungen wird der Versicherer bei der reinen Risikoversicherung nur zahlungspflichtig, wenn das versicherte Ereignis - eben der Todesfall - eintritt. Es gibt also kein Erlebensfallkapital. Diese Variante ist also zum Sparen nicht geeignet. Für die Versicherung einer bestimmten Todesfallsumme zahlt der Versicherungsnehmer während einer im Voraus definierten Laufzeit jährlich eine Prämie. Die zu zahlende Nettoprämie ergibt sich aus der Bruttoprämie abzüglich der nicht garantierten Überschüsse.

  • Eignet sich für Personen, die für eine bestimmte Laufzeit die potenziellen Hinterbliebenen absichern wollen.
  • Hohe Transparenz und Flexibilität. Man zahlt während der Laufzeit bis zur vereinbarten Bruttoprämie. Es gibt keine bösen Überraschungen.
  • Wird die Versicherung vorzeitig gekündigt, hat man rückblickend betrachtet zu hohe Prämien bezahlt.

Der Favorit der Makler: Die fondsgebundene Lebensversicherung gegen periodische Prämien

Im Unterschied zur klassischen Lebensversicherung wird der Sparteil der einbezahlten Prämie nicht in das Kapitalanlagen-Portfolio des Versicherers, sondern direkt in ausgewählte Anlagefonds investiert. Versichert ebenfalls eine Todesfallsumme. Nach Ablauf wird im Erlebensfall der Gegenwert der Fondsanteile ausbezahlt. Die Höhe des Erlebensfallkapitals ist also im Unterschied zur klassischen Variante nicht garantiert. Damit liegt das Risiko beim Versicherten.

  • Eignet sich für Leute, die sich einen Sparzwang auferlegen wollen, aber der Überschusspolitik der Versicherer kein Vertrauen schenken.
  • Die Kursentwicklung des Fonds kann man nachverfolgen. Keine undurchsichtigen Überschüsse.
  • Schlechter Ruf. Die Versicherung wird häufig an Leute verkauft, die gar keinen Risikoschutz brauchen. Teurer Rückkauf.

Das Beste für die Jungen: Die einjährige Todesfallversicherung mit steigender Prämie

Bei der einjährigen Todesfallversicherung mit steigender Prämie weiss man im Voraus nicht, wie hoch die Prämie in Zukunft zu stehen kommt. Die Prämien steigen jedes Jahr gemäss der Sterbewahrscheinlichkeit an. Dies im Unterschied zu den Todesfallversicherungen mit einer festen Laufzeit und einer über die gesamte Laufzeit gültigen Bruttoprämie.

  • Eignet sich für jüngere Leute, die den Versicherungsschutz nur vorübergehend brauchen und nicht abschätzen können, wie lange der Versicherungsschutz notwendig sein wird.
  • Für jüngere Jahrgänge sind die Prämien verhältnismässig tief. Denn erst ab Alter 50 steigen Todesfallrisiko und damit auch die Prämien deutlich an.
  • Gegen ungebührliche Prämien-erhöhungen ist man nicht gefeit. Das gilt erst recht, wenn man die Versicherung wider Erwarten doch bis ins Pensionsalter behalten möchte.

 

Erschienen im CASH Value am 5. Oktober 2006

Claude Chatelain