Versichern Sie den "Gartenhag"

Zahnkorrekturen sind teuer.
Zahnkorrekturen sind teuer.

Die typische Zahnversicherung zahlt für gewöhnliche Zahnbehandlungen. Solche Versicherungen sind wenig sinnvoll. Wichtiger ist ein Versicherungsschutz gegen Zahnstellungskorrekturen.

Die aktuelle Miss Schweiz macht es vor: Kein Zahn tanzt aus der Reihe. Heute sind bei den Jungen nur makellose Zahnreihen gefragt. Jedes zweite bis dritte Kind hat mittlerweile eine Zahnspange im Mund. Noch vor zwanzig Jahren hatten Spangen Seltenheitswert. Dafür werden die heutigen Kinder ob ihres «Gartenhags» nicht mehr gehänselt. Im Gegenteil: Die farbigen «Plättli» und «Gümmeli» gelten als cool.

 

Weniger cool finden es die Eltern, wenn die Rechnung des Kieferorthopäden ins Haus flattert. Die Kosten für eine mehrjährige Behandlung addieren sich schnell einmal auf einige Tausend Franken. Kompliziertere Eingriffe können bis zu 10 000 Franken kosten. Wer für solche Fälle mit einer speziellen Zusatzversicherung vorgesorgt hat, der schätzt sich glücklich.

 

Es kommt auf die Kostenbeteiligung der Kasse an

 

Zumindest die grossen Krankenversicherer führen eine oder mehrere Versicherungen für Zahnstellungskorrekturen im Angebot. Nicht alle sind aber empfehlenswert. Wenn die Kasse nur die Hälfte der Kosten übernimmt, ist das zwar besser als nichts. Noch besser sind aber Kostenbeteiligungen von 75 bis 90 Prozent. Auch ist es wenig sinnvoll, sich mit einem versicherten Maximalbetrag von jährlich 1000 Franken zu begnügen, wenn doch die Behandlung mehrere Tausend Franken kosten kann.

 

Die Versicherungsprämien für Zahnstellungskorrekturen halten sich im Rahmen. Doch mehr als 20 Franken pro Monat sollte man für diesen Versicherungsschutz nicht bezahlen. Sonst ist die Wahrscheinlichkeit gross, über all die Jahre mehr Prämien bezahlt zu haben, als die Krankenkasse zurückvergüten wird. Man rechne: 12 mal 20 Franken gibt ein Prämienvolumen von 240 Franken im Jahr. Über zwanzig Jahre sind das bereits 4800 Franken. Und wenn die Kasse dann nur 75 Prozent der Kosten trägt, müssen die Zahnbehandlungskosten bereits über 6400 Franken kosten, damit die kumulierte Prämiensumme die Rückvergütung nicht übersteigt. Es ist wohl möglich, dass der kieferorthopädische Eingriff einiges mehr kosten wird. Ebenso ist es möglich, dass überhaupt keine Behandlung nötig sein wird.

 

Wichtig ist auch, dass die Versicherung früh genug abgeschlossen wird. Also noch zu einer Zeit, in der keine Risikoprüfung zu absolvieren ist. Wenn sich nämlich beim 10-Jährigen abzeichnet, dass er bald zum Spangenträger wird, ist es bereits zu spät. Der späteste Zeitpunkt, zu dem das Kind ohne Risikoprüfung aufgenommen wird, ist von Kasse zu Kasse verschieden.

 

Doch aufgepasst: Die Rede ist hier nicht von der gewöhnlichen Zahnversicherung. Die Rede ist hier von der Zusatzversicherung für Zahnstellungskorrekturen. Denn die Kosten für Kariesbehandlung, Dentalhygiene und Amalgamfüllungen werden bei einer zeitgemässen Mundhygiene erträglich sein. Es sind vielmehr die kieferorthopädischen Eingriffe und die Zahnspangen, die ins Geld gehen.

 

Häufig sind die gewöhnlichen Zahnbehandlungen und die kieferorthopädischen Behandlungen in der gleichen Versicherung verpackt. Das macht das Produkt relativ teuer. Wenn hingegen nur die gewöhnlichen Zahnarztkosten, nicht aber die Kosten des Kieferorthopäden versichert sind, so ergibt der Versicherungsschutz wenig Sinn.

 

Wo die Zahnspange mit vielem anderem versichert ist

 

Sinnvoll sind dagegen die Angebote, bei denen die Kosten für Zahnstellungskorrekturen in der gewöhnlichen Krankenpflege-Zusatzversicherung gedeckt sind. Dies ist etwa bei Helsana, Wincare, Visana und Sanitas Classic der Fall. Die Krankenpflege-Zusatzversicherung umfasst eine breite Palette von Leistungen. So in den Bereichen Alternativmedizin, Psychotherapie, Auslandsschutz, Badekuren, Brillen, nicht kassenpflichtige Medikamente oder Transportkosten. Bei den besagten genannten Kassen sind eben auch die Kosten für Zahnstellungskorrekturen bei Kindern versichert.

 

Um das Ganze noch komplizierter zu machen, werden mitunter Familienrabatte gewährt. So zum Beispiel bei CSS und Sanitas. Rabatte sind verführerisch. Man sollte daher den Inhalt der Familienpakete sehr gut anschauen und sich überlegen, ob die versicherten Leistungen auch wirklich nötig sind.

 

Interessant: Während die Prämien in der obligatorischen Grundversicherung Jahr für Jahr ansteigen, bleiben die Prämien für die genannten Zusatzversicherungen weitgehend konstant. Bei Concordia, Helsana, Groupe Mutuel und Visana kosten die Zusatzversicherungen gleich viel wie vor drei Jahren. Bei CSS und Wincare sind sie sogar noch günstiger geworden.

 

 

Für Erwachsene

Zahnversicherungen gibt es nicht nur für Kinder. Auch Erwachsene gehen zum Zahnarzt. Doch hier helfen die Zusatzversicherungen nicht viel. Die meisten haben einen hohen Selbstbehalt und versichern nur einen beschränkten Maximalbetrag, den man notfalls auch selber berappen kann.

 

Produkte mit eingeschränkten Leistungen widersprechen dem Grundgedanken einer Versicherung, nämlich dem Versichern eines Ereignisses, das einen in finanzielle Nöte treiben könnte. Typisches Beispiel ist die Privathaftpflicht-versicherung. Die Eintretenswahrscheinlichkeit ist

zwar klein. Doch wenn ein Schaden eintritt, kann er in die Millionen gehen.

 

Wohl geht auch eine komplette Zahnsanierung ins Geld. Doch solche zeichnen sich ab. Und wo sich hohe Zahnarztkosten ankünden, wird die Krankenkasse die Aufnahme ablehnen oder mit einem Vorbehalt versehen. Auf einen einfachen Nenner gebracht: Wer gesunde Zähne hat, braucht keine Versicherung. Wer kranke Zähne hat, bekommt keine Versicherung.

 

Erschienen im CASH am 21. September 2006


Claude Chatelain