Chatelain rät: Ist die Teilung bei Scheidung zwingend?

FRAGE: Ich stehe vor der Scheidung. Wird das Pensionskassenkapital in jedem Fall geteilt? Mein Mann hat nämlich freiwillige Einkäufe von 45000 Franken getätigt. Werden diese Einkäufe auch geteilt? Er versucht mir einzureden, auf die Teilung der 45000 Franken zu verzichten. Er hätte den Einkauf mit seinem Geld finanziert. Ich könnte mir auch vorstellen, auf die 45000 Franken zu verzichten, wenn er mir anderweitig entgegenkommt. I. R., Sempach LU


Was heisst «sein Geld»? Viele Eheleute sind immer noch der Meinung, was sie persönlich verdienten, gehöre nur ihnen. Das ist falsch. Was ein Ehepartner während der Ehe verdient, gehört beiden. Das gilt übrigens nicht nur für den Lohn des Mannes, sondern ebenso für den Lohn der Frau. Man nennt dies die Errungenschaft. Stammen die fraglichen 45000 Franken für den Einkauf in die Pensionskasse vom Lohn, den Ihr Mann während der Ehe verdiente, so ist das nicht «sein Geld», sondern «das Geld von Ihnen beiden». In diesem Fall sind auch die 45000 Franken zu teilen.

Stammen jedoch die 45000 Franken vom Eigengut Ihres Mannes, so gehören sie ihm. Dann werden sie nicht geteilt. Zum Eigengut gehören jene Vermögenswerte, die eine Person in die Ehe bringt oder erbt. Das Eigengut gehört auch nach der Scheidung dem entsprechenden Partner.

Nun schreiben Sie mir, unter Umständen auf die Teilung der 45000 Franken freiwillig zu verzichten. Das ist sehr wohl möglich. Nur bei knapp der Hälfte der Scheidungen wird das Pensionskassenguthaben fein säuberlich geteilt, wie Untersuchungen zeigen. Sie sollten jedoch genau abwägen, was Sie als Gegenleistung erhalten.

Es ist aber gar nicht sicher, ob der Scheidungsrichter den freiwilligen Verzicht von Pensionskassenansprüchen erlauben wird. Kommt er zum Schluss, Sie würden aufgrund des freiwilligen Verzichts benachteiligt, darf er die Scheidungskonvention nicht absegnen. Und sollte der Richter der Meinung sein, Ihre finanzielle Vorsorge sei aufgrund der Teilung nicht gewährleistet, so hat er erst recht dafür zu sorgen, dass zumindest das Guthaben der beruflichen Vorsorge korrekt aufgeteilt wird.

 

Erschienen im BLICK am 20. September 2006

Claude Chatelain