Help Point: Lädeli-Besitzer hängen gelassen

Übergewichtig und Selbständig? Keine Hoffnung auf eine Erwerbsunfähigkeitsversicherung.
Übergewichtig und Selbständig? Keine Hoffnung auf eine Erwerbsunfähigkeitsversicherung.

Ich bin 49 Jahre alt, geschieden und führe ein Lädeli. Ich habe keine Pensionskasse. Nun wollte ich eine private Invaliditätsversicherung abschliessen. Die Versicherung hat jedoch meinen Antrag abgelehnt. Angeblich wegen meiner Zuckerkrankheit. Kennen Sie Gesellschaften, die in der Gesundheitsprüfung weniger restriktiv sind?

W. E. in B.

Nein. Es ist bekannt, dass die Versicherer beim Abschluss von Erwerbsunfähigkeitsversicherungen zurückhaltend geworden sind. Das kleinste «Bobo» - und schon wird ein gesundheitlicher Vorbehalt angebracht. Älteren Personen wird der Antrag häufig ohne Angaben von Gründen verweigert. Vor ungefähr einem Jahr berichtete CASH von einem Fall, da wurde einer 27-jährigen Frau der Antrag für eine Erwerbsunfähigkeitsversicherung abgelehnt. Mit einer Körpergrösse von 1,62 Metern und einem Körpergewicht von 90 Kilogramm litt sie gemäss dem Bodymass-Index an Übergewicht.


In einem anderen Fall wurde ein in der Berufsbildung stehender Lehrling nur mit Vorbehalt aufgenommen, obschon weder eine gesundheitliche Beeinträchtigung vorhanden noch eine solche voraussehbar war. Begründung: Drei Jahre zuvor hatte sich der junge Mann in die schulpsychiatrische Behandlung begeben. Bei älteren Personen ist es noch schlimmer: «Wenn eine Person nach dem 40. Altersjahr eine Erwerbsunfähigkeitsversicherung abschliessen will, ist der Vorbehalt der Versicherung programmiert», sagte damals Margrit Bieri, Inhaberin der Bieri Finanz, Risk- & Asset-Management in Zürich. Diese Zurückhaltung der Versicherungen haben wir dem markanten und heiss diskutierten Anstieg der Invaliditätsfälle der vergangenen Jahre zu verdanken.


Die Versicherer reizen die Risikoselektion aus


Ich kann Ihnen nicht sagen, welche Gesellschaft kulanter ist als andere. Von Maklern höre ich, dass alle Versicherer bei den Gesundheitsprüfungen für Erwerbsunfähigkeitsversicherungen viel strenger geworden sind.


Bei den Krankenkassen haben Sie allerdings mehr Chancen. Diese bieten Ihnen zwar bei einer Erwerbsunfähigkeit keine Rente, aber immerhin ein Kapital von einigen hunderttausend Franken an - je nach Wunsch. Sie müssen zwar für Zusatzversicherungen bei den Krankenkassen auch Gesundheitsfragen beantworten. Doch je nach Art der Zusatzversicherung sind die Krankenkassen weniger streng als die Lebensversicherer.


Aber aufgepasst! Viele Krankenkassen bieten nur die UTI-Versicherung an - Unfall-Tod-Invalidität. Also einen Versicherungsschutz gegen Unfall, aber nicht gegen Krankheit. Das ist wenig sinnvoll: Über 80 Prozent der Invaliditätsfälle sind auf eine Krankheit und nicht auf einen Unfall zurückzuführen. Kommt dazu, dass man gegen Unfall meistens gut, gegen Krankheit hingegen ungenügend versichert ist. Sie sollten sich also eine Kasse aussuchen, welche die Kapitalversicherung nicht nur bei Unfall, sondern auch bei Krankheit anbietet. Bei Helsana heisst das entsprechende Produkt Prevea, bei Concordia heisst es Tiku und bei Kolping Life Risiko-Leben.


Auf der Internetsite der Kolping Krankenkasse (www.kolping-krankenkasse) können Sie die Prämie für unterschiedliche Versicherungssummen berechnen. Wenn Sie nur die krankheitsbedingte Invalidität versichern wollen, zahlen Sie als 49-jährige Frau für eine Versicherungssumme von 200 000 Franken eine Monatsprämie von 98 Franken. Mit der Unfalldeckung erhöht sich die Prämie auf 120 Franken pro Monat.


Erschienen im CASH am 31. August 2006



Claude Chatelain