Eine Stütze für den Nachwuchs

Braucht das Kind eine Kinderversicherung?
Braucht das Kind eine Kinderversicherung?
Kinderversicherungen gibt es in vielen Spielarten. Längst nicht alle sind jedoch sinnvoll. Die meisten Anbieter verknüpfen eine Invaliditätsversicherung mit einem Sparplan. Das macht die Produkte teuer und kompliziert. Sinnvoller ist es, wenn Eltern eine reine Risikoversicherung abschliessen.

«Kinder haben viele Träume - und Sie können dafür sorgen, dass sie erfüllt werden», schreibt die Aspecta auf der Homepage. Den grössten Traum möchte sich die Aspecta allerdings selber erfüllen: möglichst viele Kinderversicherungen abzuschliessen. Dafür hat sich der deutsche Versicherer mit Niederlassung in Liechtenstein einiges einfallen lassen. Wer für sein Kind die Versicherung Junior Invest abschliesst, kann dem Aspecta-Känguru-Klub beitreten. Das ist eine Hotline, die Fragen rund um die Familie beantwortet. Gleichzeitig unterstützt der Versicherer das Kinderdorf Pestalozzi in Trogen. Für jeden Junior-Invest-Vertrag spendet die Aspecta dem Kinderdorf 20 Franken. Die Charity-Aktion dauert vom 1. August bis zum 31. Dezember.


Die Charity-Aktion mag originell sein, das Produkt Junior Invest ist es nicht. Denn dies ist ein ganz gewöhnlicher Fondssparplan mit Prämienbefreiung. Stirbt der Versicherungsnehmer - meist Vater, Mutter oder Grosseltern -, übernimmt die Versicherung die Prämienzahlung bis zum 25. Lebensjahr des Kindes.


Kinder-Invalidenrente statt Ergänzungsleistungen


Junior Invest ist deshalb auch keine Innovation. Fondsgebundene Sparversicherungen mit integrierter Prämienbefreiung gehören zum Standardsortiment jedes Versicherers, sind aber nicht das grosse Geschäft. Im Vergleich dazu sind die Fondssparpläne der Banken nicht nur populärer, sondern auch günstiger, flexibler und transparenter.


Wenn schon eine Kinderversicherung, dann sollte das Risiko Invalidität versichert werden. Verunfallt oder erkrankt ein Kind so schwer, dass es später im Leben keiner oder nur beschränkt einer Erwerbstätigkeit nachgehen kann, wird es von der staatlichen Invalidenversicherung abhängig sein. Doch davon kann man nicht leben. Daher müssen Ergänzungsleistungen (EL) beantragt werden, deren Höhe sich aus der Differenz zwischen dem Einkommen und den anrechenbaren Ausgaben berechnet. Aber nicht jedermann will regelmässig über seine Ausgaben Rechenschaft ablegen. Dank einer Kinder-Invalidenversicherung wird ein Kind im Erwachsenenalter eine Rente erhalten und auf Ergänzungsleistungen womöglich verzichten können.


Längst nicht alle Lebensversicherer bieten Kinder-Invalidenversicherungen an. Denn die Nachfrage hält sich in Grenzen. Am mangelnden Interesse sind die Versicherer aber nicht unschuldig. Manche bieten nämlich die Invalidenrentenversicherung nur zusammen mit einem Sparplan an. Das gilt etwa für Allianz Suisse, für die Pax und für die Swiss Life. Die Kombination von Risikoschutz und Sparplan macht das Produkt nicht nur kompliziert und undurchsichtig, sondern auch teuer. Und wer sein Kind gegen Invalidität versichern möchte, will eben nicht unbedingt noch einen Sparplan einrichten, den man nur kündigen kann, wenn man gleichzeitig auch den Versicherungsschutz kündigt. Wie bei Erwachsenen ist es auch für Kinder sinnvoller, Risikoschutz und Sparen zu trennen.


Risikoversicherungen sind dünn gesät


Nur drei der bekannten Schweizer Anbieter bieten Kinder-Invalidenversicherungen ohne Sparkomponente an. Es sind dies die MobiLife, die Zürich und die Bâloise. Auf Anfrage wird auch Winterthur ein entsprechendes Angebot schnüren, wie Mediensprecher Markus Seitz versichert. Doch nur MobiLife kann in Anspruch nehmen, das Produkt «Income Start - die lebenslängliche Kinder-Invalidenrente» aktiv zu vertreiben. Die Anderen fördern den Absatz nicht gezielt.

Dabei sind die Prämien von solchen Versicherungen durchaus erschwinglich (siehe Tabelle). Jedoch aufgepasst! Ein Prämienvergleich ist nicht einfach. Dazu ein Beispiel: Für ein Kind wird eine Invalidenrente von 24 000 Franken versichert. Im 10. Altersjahr verunfallt es so schwer, dass es zeit seines Lebens erwerbsunfähig sein wird.


  • Bei der Bâloise erhält das Kind nach einer Wartefrist von drei Monaten Betreuungsbeiträge von 50 Prozent der versicherten Invalidenrente, gemäss Beispiel also 12'000 Franken. Ab dem 16. Altersjahr bekommt es bis zum 65. Altersjahr jährlich eine Rente von 24'000 Franken.
  • Bei der Mobiliar fliesst das Geld nicht schon nach drei, sondern erst nach einer Wartefrist von zwölf Monaten. Dafür kriegen die Versicherungsnehmer unter Umständen schon den gesamten Betrag von 24'000 Franken. Die Höhe des Betrages hängt von der Pflegebedürftigkeit ab, denn bei einem Kind kann man ja nicht wie bei Erwachsenen die Erwerbsunfähigkeit berechnen. Ab dem 18. Altersjahr wird dann bis 65 die Rente von 24'000 Franken ausbezahlt. Und im AHV-Alter bemisst sich die Rente dann wieder aufgrund der Pflegebedürftigkeit, während der Konkurrent Bâloise ab Alter 65 nichts mehr bezahlt.
  • Beim dritten Anbieter Zürich funktioniert es nochmals anders. Bei Invalidität werden auf einen Schlag 20'000 Franken ausbezahlt. Ab dem 16. Altersjahr gibt es eine Rente, welche mit zunehmendem Alter ansteigt. Zwischen dem 16. und dem 20. Altersjahr beträgt sie 9000 Franken. Mit 20 gibt es 18'000 und dann jedes Jahr zusätzlich 600 Franken. Ab Alter 50 bis 65 gibt es jährlich konstant 36'000 Franken. Zusätzlich zu diesen Renten investiert die Zürich ab dem 20. Altersjahr jährlich 6400 Franken in eine kapitalbildende Versicherung. Mit Alter 65 haben die Versicherten dann die Wahl, sich das Kapital auszahlen zu lassen oder mit dem Geld eine Rente zu finanzieren.


Gesellschaft Jahresrente in Fr.
Jahresprämie Wartefrist Versichert bis
Rentenzahlung bis
Mobiliar
24000
Fr. 562.-- 12 Monate
18. Altersjahr
lebenlänglich
Basler
24000
Fr. 483.--
 3 Monate
20. Altersjahr
Alter 65
Zürich
9000 bis 36000
Fr. 1707.--
12 Monate
16. Altersjahr
lebenslänglich


INFOTHEK

Ergänzungsleistungen: Sie helfen, wenn die AHV- oder IV-Renten zum Leben nicht reichen. Die Ergänzungsleistungen errechnen sich aus der Differenz zwischen den Einnahmen und den anrechenbaren Ausgaben. Auch das Vermögen wird berücksichtigt. Wer dem Kind nicht zumuten will, zeitlebens über die Einnahmen und Ausgaben Rechenschaft ablegen zu müssen, kann eine Kinder-Invalidenversicherung abschliessen.


Erwerbsunfähigkeits-Versicherung: Wer aus gesundheitlichen Gründen keiner Erwerbstätigkeit nachgehen kann, erhält eine Rente von der Erwerbsunfähigkeits-Versicherung, sofern man eine solche abgeschlossen hat. Auch die staatliche IV ist eine Erwerbsunfähigkeits-Versicherung. Das zeigt: Der Name Invalidität ist irreführend. IV-Rentner erhalten nicht eine Rente, weil sie invalide sind. Sie bekommen eine Rente, weil sie erwerbsunfähig sind.

Fondsgebundene Versicherung: Bei herkömmlichen Sparversicherungen fliesst der Sparteil der Prämie ins Kapitalanlage-Portefeuille des Versicherers. Je nach der Rendite dieser Anlagen werden Überschüsse den Versicherungsnehmern gutgeschrieben, wobei Letztere nie wissen, wie die Überschüsse zustande gekommen sind. Anders bei der fondsgebundenen Variante: Hier fliesst der Sparteil der Prämie in einen bestimmten Anlagefonds, dessen Kursentwicklung die Versicherten nachverfolgen können.


Prämienbefreiung: Stirbt der Versicherungsnehmer, werden die Prämien vom Versicherer übernommen. Damit kann der Versicherungsschutz trotz Ausfall des Prämienzahlers aufrechterhalten werden.


Erschienen im CASH am 31. August 2006


Claude Chatelain