Chatelain rät: Wie man mit Call-Optionen Millionen verdient

Der millionenschwere Rieter-Anlagechef Jürg Maurer sieht sich den bohrenden Fragen der Medien ausgesetzt
Der millionenschwere Rieter-Anlagechef Jürg Maurer sieht sich den bohrenden Fragen der Medien ausgesetzt

Sie rieten mir davon ab, einzelne Aktien zu kaufen. Stattdessen plädieren Sie für Aktienfonds. Wie aber das Beispiel des Pensionskassen-Chefs von Rieter zeigt, scheint es eben doch möglich zu sein, an der Börse Millionen zu verdienen. Könnten Sie mir erklären, wie das geht? D.S., via E-Mail

Mit dem Pensionskassenwart von Rieter nehmen Sie nun wirklich nicht ein gutes Beispiel. Wie es legal möglich sein soll, in so kurzer Zeit das Vermögen derart zu vermehren, konnte mir bisher noch keiner erklären. Er selber übrigens auch nicht.


Natürlich ist es möglich, an der Börse sehr viel Geld zu verdienen. Man kann aber ebenso gut sehr viel Geld verlieren. Das eine wie das andere geschieht mit komplizierten Finanzinstrumenten, mit sogenannten Derivaten. Davon gibt es unzählige Arten und Abarten. Nehmen wir das Beispiel einer gewöhnlichen Call-Option. Mit dem Kauf solcher Papiere erwerben Sie das Recht, in einer bestimmten Zeitspanne eine bestimmte Aktie zu einem bestimmten Kurs zu erwerben. Etwa so: 10 Optionen zum Preis von je 25 Rappen berechtigen zum Bezug einer UBS-Aktie zum Preis von 80 Franken. Mit dem Erwerb von 1000 Optionen zum Preis von insgesamt 250 Franken können Sie also 100 UBS-Aktien im Gesamtwert von 8000 Franken erwerben. Hinzu kommen noch Gebühren, die wir hier zum besseren Verständnis weglassen.


Heute kostet eine UBS-Aktie um die 69 Franken. Damit sich der Kauf der 1000 Optionen lohnt, muss der Kurs bis zum Verfall auf über 80 Franken klettern. Falls er es nicht tut, kann man die Optionen wegschmeissen. 250 Franken inklusive Gebühren sind im Eimer. Sollte jedoch der UBS-Kurs zum Beispiel auf 90 Franken steigen, so steigt die Aktie gegenüber dem heutigen Wert um 30 Prozent. Der Wert der Optionen wird sich hingegen verdreifachen. Dank diesem Hebeleffekt kann man an der Börse mit Optionen sehr viel Geld verdienen. Vorausgesetzt, der Kurs der zugrunde liegenden Aktie steigt über den Ausübungspreis. Bekanntlich kennt man die Börsenentwicklung nicht im Voraus. Nur Propheten, widerrechtlich handelnde Insider und offenbar der Rieter-Mann können steigende Kurse vorhersehen.


Erschienen im BLICK am 30. August 2006

Claude Chatelain