Sauber ist eben nicht immer rein

Die meisten Fondsgesellschaften führen auch Nachhaltigkeitsfonds im Sortiment. Welcher Anlagefonds welche Industrien konsequent meidet, ist aber nicht ganz einfach herauszufinden.

Es gibt sie, die Anleger, welche auf keinen Fall in Ölfirmen investieren wollen, oder die Anleger, welche unter keinen Umständen Autoaktien im Portefeuille haben möchten. Es ist allerdings nicht so einfach, ökologisch und ethisch ausgerichtete Fonds zu finden, die klar deklarieren, von welchen Industriezweigen sie die Finger lassen. In den so genannten Fact Sheets steht nämlich nur selten, welche Branchen die Fondsmanager meiden.

 

Zum UBS Equity Fund Eco Performance steht beispielsweise im Fact Sheet: «Der Fonds investiert weltweit in Unternehmen, die eine überdurchschnittliche ökologische, soziale und ökonomische Leistung erbringen.» Es wird darin mit keinem Wort erwähnt, dass Aktien von Rüstungsbetrieben, Atomkraftwerken oder Zigarettenherstellern im Fonds keinen Platz haben. UBS-Firmensprecher Dominique Gerster: «Es ist ein bewusst gewählter Ansatz, den Fokus in erster Linie auf eine positive Selektion zu legen.» Mit positiver Selektion meint Gerster den Best-in-Class-Ansatz: das Investieren in Firmen, die sich in ihrem Sektor überdurchschnittlich sozial und umweltfreundlich verhalten.

 

Auch der SAM Sustainable Leaders Fund «berücksichtigt ausschliesslich Unternehmen, die auf Grund ihrer Bewertung anhand ökonomischer, ökologischer und sozialer Kriterien führend in ihren jeweiligen Industriesektoren sind». Bei den grössten zehn Positionen ist aber auch die Erdölfirma BP zu finden. Zur Erinnerung: «Amoco Cadiz» hiess jener Tanker, der im März 1978 an der bretonischen Küste in zwei Teile zerbrach und das fünftgrösste Ölunglück der Geschichte verursachte. 223 000 Tonnen Rohöl flossen damals ins Meer. Amoco fusionierte 1998 mit BP.

 

Auch Ölfirmen können ökologisch sein

 

Es ist ein Glaubenskrieg darüber entstanden, ob ein Fondsmanager aus ethischen, sozialen oder ökologischen Erwägungen bestimmte Branchen rigoros meiden oder ob man auch jene Firmen berücksichtigen sollte, die sich in zweifelhaften Branchen zumindest darum bemühen, möglichst ökologisch zu sein. Die UBS macht sich für den zweiten Ansatz stark, «da wir gerade in ressourcenintensiven und kontroversen Branchen Firmen motivieren möchten, eine ökologische und soziale Vorreiterrolle einzunehmen. Die führende Rolle dieser Unternehmen kann eine enorme Hebelwirkung für die ganze Branche haben.»

 

Gemäss einer Markterhebung, die Ethos, SAM, Sarasin, Swisscanto, UBS und ZKB in Auftrag gegeben haben, kombinieren Anlagefonds häufig mehrere Ansätze. 81 Prozent der befragten Anlagefonds verfolgen einen nachhaltigen Best-in-Class-Ansatz. In 61 Prozent der Fälle haben die Fonds - oftmals zusätzlich - Ausschlusskriterien definiert. Viele Nachhaltigkeitsfonds schliessen die Bereiche Alkohol, Rüstung, Tabak oder Kernenergie aus. Das ist kein grosses Risiko, da die Aktien dieser Branchen nicht zu jenen Titeln gehören, die ein Fondsmanager unbedingt haben muss, um mit dem Vergleichsindex mithalten zu können. Andere Ausschlusskriterien wie Öl, Auto oder Agrochemie sind schon seltener zu finden (siehe Tabelle).

 

Diverse Fonds schliessen nicht nur bestimmte Branchen aus, sondern generell Firmen mit verwerflichen Produktionsmethoden. So etwa muss der Manager des DWS Sustainable Leaders Unternehmen meiden, die schulpflichtige Kinder beschäftigen. Und der Raiffeisen Futura Global Stock verzichtet ausdrücklich auf Unternehmen, die Frauen und Minderheiten diskriminieren oder die menschliche Gesundheit gefährden. All das sind wichtige Informationen. Solche zu erhalten ist leider nicht einfach.

 

Erschienen im CASH am 15. Juni 2006

Claude Chatelain