Chatelain rät: Der AWD ist nicht glaubwürdig

Der AWD ist die vermutlich grösste Vermittlerorganisation von Vorsorgeprodukten in der Schweiz. Kürzlich wurde ich wieder gefragt: Ist der AWD seriös?

 

Würde ich schreiben, der AWD sei nicht seriös, riskierte ich eine Klage wegen Rufschädigung. Also sagen wir es so: Der AWD ist nicht glaubwürdig, weil er für seine Arbeit nicht Rechnung stellt. Die AWD-Vertreter verdienen ihr Geld allein über Verkaufsprovisionen. Nun werden Sie sagen, auch der Vertreter der Winterthur stelle keine Rechnung. Aber es gibt einen Unterschied: Wenn der Winterthur-Vertreter an die Tür klopft, ist allen klar, dass er Winterthur-Versicherungen verkaufen will. Er ist Verkäufer, nicht Berater. Doch die AWD-Crew gibt vor, unabhängig und neutral zu beraten. Nun ist der AWD in der Tat insofern unabhängig, als er keine eigenen Produkte verkauft. Er ist aber nicht neutral, weil er beim Verkauf des einen Produktes viel, bei der Empfehlung eines anderen Produktes nichts verdient.

 

Beispiel 1 Jeder ernst zu nehmende Experte empfiehlt, Sparen und Risikoschutz zu trennen: Man kauft Sparprodukte bei der Bank und schliesst bei der Versicherung eine reine Risikoversicherung ohne Sparteil ab. Was macht der AWD-Vertreter? Er verkauft eine gemischte Versicherung mit integriertem Sparteil. Für ihn ist das lukrativer.

 

Beispiel 2 Häufig lautet der beste Ratschlag: Überweisen Sie das Geld der Pensionskasse. Sie erhöhen damit die Altersrente. Sie verbessern damit die Leistungen bei Tod und Invalidität. Sie sparen damit Steuern. Warum wird das der AWD kaum empfehlen? Weil er mit diesem Tipp keinen Rappen verdient.

 

Immerhin: Seit kurzem verlangt der AWD für eine aufwändige Abklärung der Vorsorgesituation eine Schutzgebühr von 295 Franken. Damit sind die Kosten noch nicht gedeckt. Aber es ist ein Schritt in die richtige Richtung.

 

Glaubwürdig sind nur Berater, die für ihre Arbeit Rechnung stellen. Dabei ist aber darauf zu achten, dass der Berater für eine vollständige Transparenz sorgt und dem Kunden die Versicherungsprovision zurückerstattet. Mit der einen Hand vom Kunden ein Honorar verlangen und mit der anderen Hand von der Versicherungsgesellschaft die Provision kassieren, wäre nicht nur unglaubwürdig, sondern auch unseriös.

 

Erschienen im BLICK am 20. Mai 2006

Claude Chatelain