Help Point: Die Cura ist nur für die Erben sinnvoll

Frage: Meine Mutter ist in ein Altersheim gezügelt. Seither betreue ich ihre Finanzen. Wie ich nun den Unterlagen entnehme, zahlt sie seit Jahr und Tag die Prämie für die Pflegeversicherung Cura. Sie will diese Versicherung nicht kündigen, weil sie schon seit Jahren dafür Prämien gezahlt hat. Frage: Ist diese Versicherung auch wirklich nötig? l. b. In Y.

Antwort: Die Cura der Helsana ist eine der wenigen Langzeitpflege-Versicherungen, die wir auf dem Markt finden können. Sie zahlt im Pflegefall das vertraglich vereinbarte Taggeld.

 

Sobald der Helsana-Kunde ins Rentenalter kommt, wird er ohne Gesundheitsprüfung in die Langzeitpflege-Versicherung Cura aufgenommen. Diese automatische Aufnahmepraxis führte wiederholt zu Protesten. Die Stiftung für Konsumentenschutz hatte auch schon eine Strafanzeige wegen unlauteren Wettbewerbs eingereicht, ist damit aber beim Bezirksanwalt abgeblitzt. Denn in den allgemeinen Vertragsbestimmungen zu den Zusatzversicherungen steht, dass Versicherte im Rentenalter automatisch in die Langzeitpflege-Versicherung aufgenommen würden. Das Vorgehen der Helsana ist also nicht gerade kundenfreundlich, offenbar aber auch nicht widerrechtlich.

 

Sie fragen, ob die Cura nötig sei. Für Sie vielleicht, nicht jedoch für Ihre Mutter. Anders gesagt: Langzeitpflege-Versicherungen sind für wohlhabende Rentnerinnen sowie Rentner geeignet, die im Interesse ihrer Erben verhindern wollen, dass das Vermögen bei einem Pflegeheimaufenthalt aufgebraucht wird. Für Rentner jedoch, die in bescheidenen Verhältnissen leben, ist eine Langzeitpflege-Versicherung eher hinderlich. Und zwar aus folgenden Gründen: Zwei von drei Pflegeheimpatienten sind auf Ergänzungsleistungen (EL) angewiesen. Das heisst, die Beiträge der Krankenkasse sowie das Einkommen aus der AHV und der Pensionskasse reichen nicht aus, um die horrenden Pflegeheimkosten zu decken. In solchen Fällen werden die Ergänzungsleistungen gesprochen.

 

Wenn nun die Cura ein Taggeld ausrichtet, so erhöht sich das Einkommen, sodass weniger Ergänzungsleistungen ausbezahlt werden. Das mag volkswirtschaftlich positiv sein, für den Einzelnen ist es negativ. Hinzu kommt, dass die Prämien für die Versicherung, die man auch bei Pflegebedürftigkeit weiter zahlen muss, bei der EL-Berechnung nicht als Ausgabe anerkannt werden.

 

Betuchte Rentner haben jedoch keinen Anspruch auf EL. Sie riskieren daher, dass das Vermögen durch den Pflegeheimaufenthalt nach und nach verzehrt wird. Um das zu verhindern, macht eine Langzeitpflege-Versicherung durchaus Sinn. Davon profitieren aber die Erben, nicht die Pflegebedürftigen.

 

Erschienen im CASH am 27. April 2006

Claude Chatelain