Wie Pensionskassen-Direktor Jean-Claude Dübi Geschäfte macht

Ein Direktor macht Kasse und geht dann einen Vergleich ein. Dieser liegt jetzt vor. 

Dank der jüngsten Börsenhausse haben sich viele Pensionskassen sanieren können. Die Ascoop, die Pensionskasse der öffentlichen Transportunternehmen mit ihren 15'000 Versicherten, gehört nicht dazu. Der Deckungsgrad betrug per Ende 2005 um die 80 Prozent. Nun hoffen die Verantwortlichen auf Bundeshilfe. Schon im Juni 2005 hat der Berner SVP-Nationalrat Hans Lauri den Bundesrat in einem Postulat gebeten, zu prüfen, «mit welchen Massnahmen der Bund, vergleichbar dem Vorgehen bei den SBB, die bereits eingeleitete Sanierung der Kasse (...) unterstützen kann». Der Bundesrat hat die Annahme des Postulats beantragt. Doch gemäss der Stellungnahme des Bundesrates «wird es nötig sein, die Ursachen genauer zu untersuchen, die zur gegenwärtigen schwierigen Lage der Ascoop geführt haben». Bei dieser Untersuchung müsste auch die Rolle des früheren Ascoop-Direktors Jean-Claude Düby unter die Lupe genommen werden.

 

Die heutige Ascoop-Führung stellt gegenüber Düby Ansprüche aus organschaftlicher und sozialversicherungsrechtlicher Verantwortlichkeit, aus Arbeitsvertrag sowie aus unerlaubter Handlung. Während Düby nämlich die Ascoop zu leiten hatte, sass er in den Verwaltungsräten von Proprietary Industries, BT&T, CommCept Trust, der Tiroler Sparkasse und der Bern Venture Holding, um nur die bekanntesten zu nennen. Diesen Gesellschaften konnte der Ascoop-Chef einen Dienst erweisen und mit dem Geld der Versicherten tüchtig Aktien einkaufen. Leider waren das zum Teil hochriskante Engagements, wie der darauf folgende Kurssturz belegt. Dennoch durfte sich Düby für seine VR-Tätigkeit fürstlich entschädigen lassen - und steckte das Geld in den eigenen Sack.

 

Diese riskanten Geschäfte sind ein Grund für die desolate Situation der Ascoop. Doch statt den früheren Ascoop-Direktor zu verklagen, hat die Ascoop-Führung unter Stiftungsratspräsident Wilhelm Hansen zu einem aussergerichtlichen Vergleich eingewilligt. Dieser bleibt bis heute geheim, obschon die Versicherten und womöglich sogar die Steuerzahler für den Schaden aufkommen müssen.

 

Der Vergleich liegt CASH heute erstmals vor. Er wirft Fragen auf:

· Warum kommt ein 63-jähriger Mann, der ein Jahressalär von geschätzten 200'000 Franken verdiente und viele VR-Mandate bekleidete, bloss auf ein Vermögen von rund 500'000 Franken?

· Warum fehlt die eidesstattliche Erklärung, dass keine anderen Vermögenswerte vorhanden sind?

· Warum wurde die eigene Liegenschaft der Frau überschrieben?

· Wie kommen die Töchter von Düby zu einer Liegenschaft in Phoenix im US-Staat Arizona?

Gemäss dem Vergleich musste Düby der Ascoop 290'000 Franken zurückzahlen und auf einen Teil der Rente verzichten. Ein Klacks im Vergleich zum Schaden, den er den Versicherten zugefügt hat.

 

Was sagt Jean-Claude Düby dazu? «Dazu gebe ich überhaupt keine Auskunft», sagt er knapp.

 

Erschienen im CASH am 16. März 2006

Claude Chatelain