Chatelain rät: Ich brauche das Geld vom Mann

Mein Ehemann und ich erwerben eine Eigentumswohnung. Für die Finanzierung will er mir sein Pensionskassenguthaben zur Verfügung stellen. Allerdings würde ich als alleinige Eigentümerin im Grundbuch eingetragen. Den Rest des erforderlichen Eigenkapitals würde ich aus früheren Ersparnissen und meinem Pensionskassenguthaben finanzieren. Geht das rechtlich? W. M., via E-Mail

Nein, so geht es nicht. Sie können für die Finanzierung Ihres Eigenheims sehr wohl das Geld Ihrer Pensionskasse vorbeziehen. Doch die Pensionskasse Ihres Mannes darf das Geld nicht herausrücken, sofern die Wohnung Ihnen alleine gehört. Wenn Sie also für die Finanzierung auf das Pensionskassengeld Ihres Mannes angewiesen sind, müssen Sie sich beide im Grundbuch als Eigentümer eintragen lassen.

Das Gleiche gilt für die Verpfändung. Häufig ist es ja sinnvoller, das Kapital der Pensionskasse nicht auszahlen zu lassen, sondern zu verpfänden. Das heisst, die Bank könnte auf Ihr PK-Geld zurückgreifen, sollten Sie nicht mehr in der Lage sein, die Schuldzinsen zu bezahlen. Dank dieser zusätzlichen Sicherheit gewährt Ihnen die Bank die Hypothek zu einem Vorzugszins. Aber wie gesagt: Auch die Verpfändung ist nicht erlaubt, falls der Versicherte nicht selber Eigentümer oder zumindest Miteigentümer der Wohnung ist.

Ich verstehe Ihren Einwand: Da Sie den grössten Teil des Eigenkapitals selber aufbringen, möchten Sie sich als alleinige Besitzerin eintragen lassen. Angesichts der hohen Scheidungsrate finde ich das nicht unklug. Sollte es aber tatsächlich mal zu einer Trennung kommen, wird der Wert der Eigentumswohnung nicht automatisch geteilt. Dann wird nämlich ausgesondert, was Eigengut und was Errungenschaft ist. Das Eigengut sind jene Vermögenswerte, die eine Person in die Ehe bringt oder erbt. Die Errungenschaft sind jene Geldwerte, die während der Ehe erwirtschaftet werden.

Wenn Sie nun beweisen können, dass das Eigenkapital der Wohnung zum grössten Teil aus Ihrem Eigengut stammt, wäre das Geld für Sie auch nach einer Scheidung nicht verloren. Wichtig ist nur, dass man dann auch beweisen kann, welche Vermögenswerte dem Eigengut und welche der Errungenschaft zuzuschlagen sind.

 

Erschienen im BLICK am 4. Januar 2006

Claude Chatelain