Chatelain rät: Variabel oder fest? Das ist die Frage

Frage: Meine langjährige Festhypothek läuft auf den 1. Februar ab. Nun bin ich unschlüssig, ob ich wieder eine Festhypothek oder doch lieber eine variable wählen soll. Alle raten mir zu einer Festhypothek. Leider muss ich sagen, dass ich ein gebranntes Kind bin. Ich habe jahrelang über 4 Prozent bezahlt. Mit einem variablen Zinssatz wäre ich viel besser gefahren. U.S. Sursee

Ob variable oder feste Hypothek, ist nicht nur eine wirtschaftliche Frage. Es ist immer auch eine Frage der persönlichen Einstellung. Manche ziehen die Gewissheit vor, keine bösen Überraschungen erleben zu müssen. Sie setzen auf Festhypotheken. Anderen ist es wichtig, so wenig wie möglich zahlen zu müssen. Das Risiko steigender Zinsen nehmen sie in Kauf.

 

Unabhängig von dieser persönlichen Präferenz spricht derzeit mehr für feste als für variable Hypotheken, obschon der Trend eher nach unten weist. Denn neben der Zinsprognose ist auch das potenzielle Ausmass der Zinssatzänderung zu beachten. Das Zinsniveau ist bereits tief. Es kann gar nicht viel tiefer fallen. Hingegen sind nach oben kaum Grenzen gesetzt.

 

Bei einer Belehnung von 70 Prozent kostet eine fünfjährige Festhypothek um die 3,2 Prozent. Im historischen Vergleich ist das immer noch sehr tief. Die variable Hypothek kostet derzeit etwa gleich viel.

 

Aus meiner Sicht gibt es kein «Entweder-oder», sondern ein «Sowohl-als-auch». Wobei ich dann nicht die klassische variable Hypothek, sondern eine Libor-Hypothek wählen würde. Der Libor ist ein offizieller kurzfristiger Geldmarktzinssatz. Somit ist die Zinsgestaltung bei einer Libor-Hypothek völlig transparent. Dies im Unterschied zur klassischen variablen Hypothek. Hier ist oft nicht einzusehen, weshalb die Banken den Zins so rapide erhöhen und so zögerlich senken.

 

Konkreter Vorschlag: Zwei Drittel der Hypothekarschuld fest auf fünf Jahre und ein Drittel Libor auf zwei Jahre. Um nur ein Beispiel zu nennen: Die zweijährige Money Line der UBS hat derzeit einen Zins von 2,15 Prozent.

 

Erschienen im BLICK am 24. November 2004

Claude Chatelain