Das kann einem gestohlen bleiben

Wer teure Velos in der Stadt abstellt, braucht einen Versicherungsschutz.
Wer teure Velos in der Stadt abstellt, braucht einen Versicherungsschutz.

Sinn einer Versicherung ist es, Schäden zu decken, die einen in finanzielle Nöte stürzen könnten. Die Versicherung «Einfacher Diebstahl auswärts» erfüllt diese Bedingung nicht. Oft ist sie unnötig.

 

Die Versicherung gegen «einfachen Diebstahl auswärts» kostet nicht alle Welt. Deshalb wird sie gleich mit der Hausratspolice abgeschlossen. Was freilich nicht heissen muss, dass man diese Versicherung auch braucht. Es gibt drei Gründe, weshalb auf den Versicherungsschutz «Einfacher Diebstahl auswärts» verzichtet werden kann:

- Was auswärts geklaut wird, ist häufig weniger wert als der Selbstbehalt von 200 Franken.

- Werden teure Dinge aus der Wohnung oder aus dem Auto gestohlen, ist der Schaden durch die Hausrats- oder die Teilkaskoversicherung gedeckt.

- Wer die Versicherung bemüht, braucht einen Polizeirapport. Umtriebe, Ärger und zeitlicher Aufwand stehen oft in keinem Verhältnis zur finanziellen Entschädigung. Die zentrale Frage lautet daher: Was könnte auswärts gestohlen werden, das durch die Versicherung bezahlt wird? Die Antwort liefert die Schadenbilanz der Versicherer: Es sind Velos und an zweiter Stelle Ski- und Sportgeräte.

 

Wer sich also den Luxus leistet, das für 3000 Franken gekaufte Mountain-Bike in der Stadt zu parkieren, wird um den Versicherungsschutz «Diebstahl auswärts» froh sein. In der Schweiz werden jährlich rund 50'000 Fahrräder gestohlen. Da ist die Wahrscheinlichkeit gross, dass sich auch das genannte Luxusvehikel darunter befindet. Noch besser ist aber, das zweirädrige Gefährt bloss für das zu gebrauchen, wofür es auch konzipiert wurde: für Fahrten über Stock und Stein. Für Ausflüge in die Stadt genügt hingegen ein Stahlesel für 500 Franken. Hier ist die Notwendigkeit einer Diebstahlversicherung schon eher in Frage zu stellen.

 

Der Polizeirapport verkleinert das Missbrauchspotenzial

 

Ein anderes beliebtes Diebesgut sind Ski und Snowboards. Die Dinger kosten zwischen 500 und 1200 Franken, im Schnitt 800 Franken. Zieht man den Selbstbehalt von 200 Franken ab, gibt es noch 600 Franken. Diebe müssen also alle sechs Jahre zuschlagen, damit sich die Versicherung lohnt. Und ohnehin gibt es kein Geld ohne Polizeirapport. Die Versicherer stellen sich auf den Standpunkt, dass das Missbrauchspotenzial verkleinert wird, wenn ein schriftlicher Schadensnachweis vorgelegt werden muss.

 

Wer am späten Sonntagnachmittag den Verlust seiner Ski feststellt, wird je nach Ort des Delikts seine liebe Mühe haben, einen Polizisten aufzufinden. Wie jedoch Willi Fegble von der National erklärt, genügt eine Meldung an die Polizei. Dies könne unter Umständen auch telefonisch erledigt werden. Andererseits kann man dem Dieb sein Handwerk auch erschweren, indem die zwei Ski vor der Beiz an verschiedenen Orten abgestellt werden.

 

Bis zu 80 Prozent aller Inhaber von Hausratspolicen haben den einfachen Diebstahl auswärts eingeschlossen. Ein grosser Teil der Versicherten könnte auf diesen Schutz verzichten: Nur wenige fahren mit dem Fahrrad zur Arbeit. Teure Ski können sich auch nicht alle leisten. Pelzmäntel werden eher besprayt als gestohlen. Auf die Digitalkamera haben die meisten Hobbyfotografen ein wachsames Auge. Gestohlenes Bargeld ist ohnehin nicht versichert. Und was aus dem Fahrzeug entwendet werden könnte, ist vorzugsweise über die Teilkasko zu versichern. Das kommt billiger. Kurz: Die Diebstahlversicherung auswärts gehört nicht zu den Versicherungstypen, die man haben muss.

 

Wer im Gegenteil jährlich 100 Franken für allfällige Entwendungen auf die Seite legt, fährt statistisch gesehen besser. Denn bevor die Schadensumme die bezahlten Prämien übersteigt, wird der Versicherer mit den Kunden das Gespräch suchen, um präventive Massnahmen zu besprechen. In der Branche heisst das «Einzelsanierung». Heinz Lendenmann, Leiter Privatkunden Nicht-Leben bei der Helvetia Patria, sagt: «Wenn ein Kunde in zwei Jahren mehrere Diebstähle meldet, schauen wir die Sache etwas genauer an.»

 

Das wirkliche Risiko tragen die Versicherten

 

Hinzu kommt, dass der Versicherungsschutz in den meisten Fällen auf 2000 bis 3000 Franken pro Jahr beschränkt ist. Das sind Beträge, die man notfalls selber berappen kann. Und damit sich die Leute von der Schadenabteilung nicht mit jedem verschwundenen Regenschirm abmühen müssen, beträgt der Selbstbehalt mindestens 200 Franken.

 

Die Prämienhöhe ist immer auch ein Spiegelbild des Schadenaufkommens. Wären die Velos nicht versichert, käme die Prämie tiefer zu stehen. Die Baloise trägt diesem Umstand Rechnung. Sie bietet die Möglichkeit an, die Deckung für gestohlene Velos auszuschliessen. Dies führt zu einer Prämienreduktion von rund 30 Franken.

 

Erschienen im CASH am 11. November 2004

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Claude Chatelain