Wo Aktien besser sind als Fonds

Wägt man Renditeaussichten und Risiken gegeneinander ab, sind Anlagefonds gegenüber Einzelanlagen vorzuziehen. Dennoch gibts Typen, welche mit einzelnen Aktien gut beraten sind. Nämlich Millionäre, Dividendenpicker, Kenner, Spieler und Liebhaber.

Der enorme Vorteil von Anlagefonds: Man kann mit wenigen hundert Franken an einem breit gestreuten Wertschriftenportefeuille teilhaben. Damit wird das Risiko auf mehrere Unternehmen verteilt. Man spricht von Diversifikation. Fünf Beispiele, bei welchen der Kauf von Aktien dennoch Sinn macht.

Der Millionär: Wer eine Million Franken anzulegen hat, kann 100 verschiedene Aktien zu je 10'000 Franken kaufen. Der Grundsatz der Diversifikation ist damit erfüllt.

Der Dividendenpicker: Wem die Ausschüttung wichtiger ist als der Kursgewinn, kauft Aktien mit überdurchschnittlichen Dividenden. Denn manchmal zahlen Aktien höhere Dividenden, als Obligationen Zinsen abwerfen. Ich denke etwa an Immobilienaktien.

Der Kenner: Wer das Innenleben einer Firma sehr gut kennt und die Marktchancen abzuschätzen vermag, kann das Risiko einer Aktie besser einschätzen als der Markt insgesamt. Das trifft etwa bei kleinen, wenig bekannten Firmen zu. Diese sind oft unterbewertet.

Der Spieler: Wer das Börsengeschehen aufmerksam verfolgt, kann via Internet mit Aktien handeln und von den hohen Kursschwankungen profitieren. Das hat durchaus seinen Reiz: Der eine fährt ins Casino, der andere surft bei «Yellowtrade».

Der Liebhaber: Wer Aktien nicht wegen der Rendite ins Depot legt, sondern weil er sich mit dem Unternehmen verbunden fühlt, kauft die entsprechende «Liebhaberaktie». Man freut sich auf die Generalversammlung, wo man alte Bekannte trifft und ein feines Essen serviert bekommt. Solche Papiere werden auch «Fressaktien» genannt.

 

Erschienen im BLICK am 14. Juli 2004

Claude Chatelain