Todsicher ist nur, dass sie teuer sind

Aufgepasst bei Lebensversicherungen! Die Angebote lassen meist nicht erkennen, dass bis zu 10 Prozent der Prämie für Spesen draufgehen können.

Die Versicherungen haben ein neues Wort entdeckt: Transparenz. Der Schweizerische Versicherungsverband (SVV) lässt bei jeder Gelegenheit verlauten: «Wir haben erkannt, dass wir transparenter werden müssen.» Leider beschränkt sich diese Einsicht auf die berufliche Vorsorge.

Denn auch in der Einzellebensversicherung ist mehr Transparenz dringend nötig. Die Prämie für eine klassische gemischte Lebensversicherung setzt sich nämlich aus drei Teilen zusammen: der Sparprämie, mit der die beim Ablauf fällig Versicherungssumme finanziert wird, der Versicherungsprämie für den Fall des vorzeitigen Todes und den Spesen.

 

Um ein Versicherungsangebot beurteilen zu können, muss man wissen, wie viel man wofür zahlt. Doch die Höhe des Spar-, Risiko- und Kostenanteils ist noch heute ein streng gehütetes Geheimnis. Offiziell wollen die Lebensversicherer aus Konkurrenzgründen ihre Kalkulation nicht offen legen. Der wahre Grund dürfte darin liegen, dass Sie dem Kunden nicht verraten wollen, wie schlecht ihre Konditionen sind.

Der SonntagsBlick hat das VZ-Vermögenszentrum gebeten, aus den verfügbaren Angaben der grössten Versicherungsgesellschaften die Konditionen nachzurechnen. In drei Fällen war dies möglich. Unsere Tabelle zeigt einen erschreckend hohen Kostenanteil von 12 Prozent der effektiven Sparprämie. Zum Vergleich: Bei einem Obligationenfonds werden maximal 3 Prozent Kosten berechnet. Zweitens fallen die recht grossen Unterschiede bei den Risikoprämien auf.

Doch all dies bleibt dem Kunden verborgen. Einige Anbieter haben nun damit angefangen, zur Police eine Rückkaufstabelle mitzuliefern. Daraus ist immerhin ersichtlich, wie viele Franken nach wie vielen Jahren bei einem allfälligen Rückkauf ausbezahlt werden. Mit fortgeschrittenen mathematischen Kenntnissen lässt sich der Sparanteil zumindest abschätzen.

Noch weiter geht die Zürich. Sie führt unter dem Namen «Capital Fund» eine fondsgebundene Lebensversicherung, bei welcher die Abschluss- und Verwaltungskosten klar aufgezeigt werden. Das Beispiel einer Einmalprämienversicherung von 100 000 Franken für einen 50-jährigen Mann zeigt folgende Kostenstruktur: Im ersten Jahr werden 2425 Franken Kosten verrechnet; im zweiten und dritten Jahr je 1925 Franken und dann für jedes weitere Jahr 236 Franken für die Administration der Fonds.

Kein anderer Versicherer gewährt einen annähernd so tiefen Einblick in die Kalkulation. Lukas Weber, Leiter Lebensversicherungen, ist dennoch nicht recht wohl bei der Sache. Er fragt sich, «ob wir mit der Offenlegung unserer Kostenstruktur nicht etwas zu schnell waren, ob der Markt wirklich schon reif ist dazu».

In der Tat: Die Kunden könnten erschrecken, wenn sie auf einen Blick sehen, wie hoch die Kosten für Beratung, Risiko und Vertragsverwaltung effektiv zu stehen kommen.

 

Was tun, was lassen?

Gemischte Lebensversicherungen mit periodischer Prämienzahlung lohnen sich nicht. Sie sind viel zu teuer. Besser ist, für den Todesfall eine flexible reine Risikoversicherung abzuschliessen und daneben einen Fondssparplan einzurichten.

Einmalprämienversicherungen, bei denen bei Vertragsbeginn die ganze Prämie auf einmal bezahlt wird, eignen sich als Alternative zu Obligationen. Ihr Vorteil: Zins und Zinseszins sind steuerfrei, derweil die Obligationenzinsen als Einkommen zu versteuern sind. Allerdings sollten Einmalprämienversicherungen nicht vor Alter 50 abgeschlossen werden, denn um in den Genuss der Steuerbefreiung zu kommen, darf das Kapital nicht vor Alter 60 bezogen werden.

 

Mitarbeit: Werner Vontobel

 

Erschienen im Sonntags-Blick am 25. April 2004

Claude Chatelain