Der Fiskus muss draussen bleiben

Stirbt der Inhaber einer Todesfallversicherung, erhält die begünstigte Person das Todesfallkapital ausbezahlt. Dabei verdient der Fiskus kräftig mit. Die so genannte Kapitalauszahlungssteuer kann man aber umgehen - völlig legal.

Der Fiskus begünstigt gemischte Lebensversicherungen und bestraft Inhaber von reinen Todesfallpolicen. Konkret: Bei gemischten Versicherungen werden auf dem Todesfallkapital Erbschaftssteuern fällig. Dies fällt nicht ins Gewicht, weil meistens Ehegatten begünstigt werden, die von der Erbschaftssteuer befreit sind. Auch direkte Nachkommen zahlen in den meisten Kantonen keine Erbschaftssteuer. Gelangt hingegen das Todesfallkapital einer reinen Risikoversicherung zur Auszahlung, sind Einkommenssteuern zu bezahlen. Dies kommt teuer zu stehen, obschon die zu bezahlende Kapitalauszahlungssteuer getrennt vom übrigen Einkommen erhoben wird. Es kommt derselbe Steuersatz zum Zug, wie er bei der Auszahlung des Kapitals aus der Säule 3a verwendet wird.


In der Police keine Begünstigten aufführen


Soll man daher aus steuerlichen Gründen die gemischte Lebensversicherung einer reinen Todesfallpolice vorziehen? Die Antwort ist ein zweifaches Nein. Erstens wird der steuerliche Vorteil die übrigen Nachteile der mangelnden Flexibilität und Transparenz nicht wettmachen (siehe Kasten). Zweitens kann die Kapitalauszahlungssteuer auf Todesfallversicherungen umgangen werden. Bedingung: Man muss die Begünstigungsklausel ausser Kraft setzen.

So funktionierts: Man schliesst eine Todesfallversicherung mit dem ausdrücklichen Hinweis ab, niemanden begünstigen zu wollen. Somit fällt das Todesfallkapital in den Nachlass. Und damit fallen Erbschafts- statt Einkommenssteuern an. Da das Erbe in den meisten Fällen unter Ehegatten und Kindern aufgeteilt wird, werden zumindest in diesen Fällen keine Steuern fällig. Selbst in den Kantonen, in welchen direkte Nachkommen noch Erbschaftssteuern zahlen, wird sich dieses Vorgehen lohnen. Denn die kaum noch erhobene Erbschaftssteuer ist viel tiefer als die Kapitalauszahlungssteuer.


Unter Umständen muss der Vorsorgeberater auf diesen Steuertrick aufmerksam gemacht werden. «Sie haben ein heisses Eisen aufgegriffen», erklärt Hubert Hofmann, Chef der Rechtsabteilung des kantonalen Steueramts St. Gallen. «Diese Information ist nur absoluten Insidern bekannt.» Ein solcher Insider ist Wolfgang Maute, Partner der Beratungsgesellschaft First Advisory in Frauenfeld und Ko-Autor des Fachbuchs «Lebensversicherungen und Steuern». Der ehemalige Leiter des Rechtsdienstes der thurgauischen Steuerverwaltung stellt sich auf den Standpunkt, dass das Todesfallkapital in den Nachlass fliesst, «sofern in der Police ausdrücklich geschrieben steht, dass niemand zu begünstigen sei». Doch aufgepasst! Beim Fehlen eines namentlich genannten Begünstigten gelten die Allgemeinen Geschäftsbedingungen. Dort steht in der Regel geschrieben, wer bei nicht namentlicher Auflistung in den Genuss der Versicherungsleistung kommt. «Deshalb muss diese Bestimmung im Versicherungsvertrag ausdrücklich ausser Kraft gesetzt werden», bemerkt Wolfgang Maute.


Sachverhalt unter Steuerexperten umstritten


Offensichtlich müssen aber nicht nur Vorsorgeberater auf diesen steuerlichen Sonderfall aufmerksam gemacht werden. Auch gewisse Rechtsexperten der kantonalen Steuerämter scheinen sich über diesen Sachverhalt nicht im Klaren zu sein. So will etwa Theo Portmann vom Steueramt des Kantons Solothurn von einer solchen Regelung nichts wissen. Und für Hugo Wyssen von der kantonalen Steuerverwaltung Zug ist der geschilderte Fall eher theoretisch, «da in der Versicherungspolice eigentlich immer Begünstigte aufgeführt sind». Immerhin räumt Wyssen ein, dass die Kapitalleistung in die Erbmasse des Verstorbenen falle und der Erbschaftssteuer unterliege, sofern überhaupt keine Begünstigten genannt würden.

Was tun, wenn das Steueramt gegebenenfalls trotz fehlender Begünstigter eine Kapitalauszahlungssteuer in Rechnung stellt? Einspruch erheben und vor Gericht einen Präzedenzfall zu schaffen versuchen.



Lebensversicherung mit Erklärungsbedarf

Lebensversicherung ist nicht gleich Lebensversicherung: Männiglich denkt dabei an die gemischte Versicherung, die klassische Form der Vorsorgepolice. Risikoschutz und Kapitalbildung sind in einer Police kombiniert. Nach Ablauf der Versicherung wird ein Erlebensfallkapital ausbezahlt. Stirbt hingegen der Versicherte vor Vertragsende, erhalten die Begünstigten das Todesfallkapital. Demgegenüber gibts die reine Risiko-Todesfallpolice: Wie bei einer Schadenversicherung zahlt auch hier die Versicherungsgesellschaft nur nach Eintreten eines bestimmten Ereignisses. Bei der Feuerversicherung ist es die Feuersbrunst, bei der Todesfallversicherung der Tod. Die gemischte Variante hat drei wesentliche Nachteile:


Mangelnde Flexibilität: Die gemischte Versicherung ist langfristig ausgerichtet. Wer die Police vorzeitig zurückkauft, muss deshalb hohe Verluste in Kauf nehmen.

Mangelnde Transparenz: Die Prämie setzt sich aus einem Risiko-, einem Spar- und einem Kostenteil zusammen. Wie viel jeweils in den jeweiligen Bereich fliesst, ist intransparent. Ebenso undurchsichtig ist die Überschusspolitik.

Hohe Kosten: Je schlechter die Transparenz, desto einfacher lassen sich Kosten verstecken.


Besser ist also das «Unbundling», das Entbündeln von Spar- und Risikoteil. Für den Sparteil kauft man Anlagefonds, und für den Todesfallschutz deckt man eine Risikoversicherung ab, die jeweils auf Ende Jahr kündbar ist. Jüngst hat die Basler mit «Baloiselife Plus» ein Produkt auf den Markt gebracht, welches Sparen und Risikoschutz kombiniert und trotzdem klar trennt. Man zahlt die Prämie direkt aufs Sparkonto, welchem dann die Prämien für den Todesfallschutz belastet werden. Sobald der Risikoteil nicht mehr nötig ist, kann er gekündigt werden.


Erschienen im CASH am 15. Januar 2004


Claude Chatelain