Die 8 Gebote der Geldanlage

Erwin Heri.
Erwin Heri.

Frage: Bei all den Ratschlägen fürs neue Jahr von all den Börsengurus weiss ich nicht so recht, auf was ich setzen soll. Was haben Sie für heisse Tipps? C. H. Uster

Antwort: Tipps habe ich schon, aber keine heissen. Wichtiger als Tipps sind mir Grundsätze der Geldanlage. Befolgen Sie die acht Gebote:

1. Investieren Sie: Aktienabstinenzler müssen sich mit mageren Renditen begnügen. Das Sparbuch bringts nicht.

2. Trachten Sie nicht nach kurzfristigem Gewinn: Hohe Renditen auf die Schnelle sind mit hohen Risiken behaftet. Auch Früchte reifen nur langsam.

3. Versuchen Sie nicht, den richtigen Moment zu erwischen - es gibt ihn nicht. Auch Profis versagen beim Versuch, beim tiefsten Punkt zu kaufen und beim höchsten zu verkaufen. Die Losung heisst: gestaffelt investieren.

4. Versuchen Sie nicht, den «richtigen Titel» zu finden - es gibt ihn nicht. Es gibt Beispiele zuhauf, bei welchen ein Aktienkurs entgegen allen Prognosen in die falsche Richtung verlief. Das Zauberwort heisst: geografische Diversifikation.

5. Versuchen Sie nicht, mehr zu wissen als der «Markt», denn der «Markt» weiss viel. Was Sie glauben zu wissen, wissen unzählige andere auch. Geheimtipps sind selten geheim.

6. Seien Sie diszipliniert. Definieren Sie eine Anlagestrategie. Lassen Sie sich von kurzfristigen Ausschlägen nicht beirren. Hin und her macht Taschen leer.

7. Haben Sie Spass, aber strategy first. Es spricht nichts dagegen, mit einem kleinen Teil des Vermögens zu «börselen». Auch die Spiellust soll befriedigt werden.

8. Trauen Sie keinem. In der Finanzbranche tummeln sich zahlreiche Scharlatane. Aber auch die seriösen Finanzberater sind keine Hellseher.

 

Diese Gebote sind nicht von mir. Sie stammen von Professor Erwin Heri, früherer Finanzchef der «Winterthur» und fleissiger Fachbuchautor. Wer seine Ratschläge befolgt, wird sich nicht über Nacht sanieren, braucht aber auch keine schlaflosen Nächte zu haben.

 

Erschienen im BLICK am 27. Dezember 2003

Claude Chatelain