Chatelain rät: Müsste man jetzt CS kaufen?

Ich bin erstaunt, dass die CS-Aktie nach Veröffentlichung des Rekordgewinns kaum angestiegen ist. Müsste man nicht heute CS-Aktien kaufen? F.K. via E-Mail

Heute nicht; im März hätten Sie CS-Aktien kaufen sollen. Sie hätten Ihren Einsatz in nur einem halben Jahr glatt verdoppelt. Der Kurs lag bei 20 Franken; heute kostet das gleiche Papier 45 Franken. «Hätte», «könnte», «würde» - der Konjunktiv hilft wahrlich nicht weiter. Aber Ihre Frage ist beispielhaft. Sie zeigt, weshalb Privatanleger mit dem Zeitpunkt des Aktienkaufs meistens daneben liegen. Sie kaufen die Aktie erst dann, wenn alles rosig aussieht. Dann ist es aber schon zu spät. Von daher kommt der Börsenspruch: «Sell on good news» - verkaufe bei guten Nachrichten!

Auch die Analysten kommen chronisch zu spät. Im Frühling traute sich kaum ein Institut, die CS-Aktie zum Kauf zu empfehlen. Einzige Ausnahme: die Deutsche Commerzbank. Und jetzt, wo die satten Gewinne verpasst wurden, werden für die CS-Aktie munter Kaufempfehlungen herausgegeben, deren sieben allein in der vergangenen Woche.


Antizyklisches Handeln ist gefragt: Man soll dann eine Aktie kaufen, wenn kein Mensch davon spricht. Wenn die Stimmung derart schlecht ist, dass sie kaum noch schlechter werden kann, gibts die besten Kaufgelegenheiten. Die jüngste Entwicklung hat diese Erkenntnis erneut bestätigt.

Ich sehe keine Anzeichen, weshalb der Aktienkurs der CS stärker steigen soll als die Kurse insgesamt. Ich würde einen Schweizer Aktienfonds vorziehen. Vor allem sind Sie dann gegen das Absturzrisiko breiter abgestützt.


Sie sprechen von Rekordgewinn. Die CS-Group erzielte im dritten Quartal 2003 tatsächlich den höchsten Gewinn der Firmengeschichte für eine Dreimonatsperiode. Allerdings ist der rekordhohe Gewinn von 2 Milliarden Franken nur dank dem Verkauf zahlreicher Beteiligungen zustandegekommen. Auch das ist noch kein Grund zum Aktienkauf.



Erschienen im BLICK am 12. November 2003

Claude Chatelain