Chatelain rät: AWD? Vorsicht ist geboten

Wenn ein AWD-Vertreter vorbeischaut, ist Vorsicht geboten. Dies vor allem dann, wenn er bestehende Versicherungsverträge annullieren und stattdessen angeblich bessere Policen verkaufen möchte. Diese teure Erfahrung machte auch ein Familienvater aus dem Aargau.

«Kündigen Sie nie eine bestehende Sparversicherung, um eine andere abzuschliessen. Der Verlust ist meist grösser als der Gewinn des vermeintlich besseren Angebots.» Das rät das Vermögens-Zentrum (VZ) auf seiner Homepage. Das lernt aber auch jeder angehende Finanzplaner. Selbst Beratern des Allgemeinen Wirtschafts-Dienstes (AWD) wird in ihrer Ausbildung dieser Grundsatz eingetrichtert.

 

Doch wehe, die Finanzplaner werden losgelassen: Ein AWD-Vertreter hat einem «Winterthur»-Kunden empfohlen, die bestehenden Policen zu kündigen und stattdessen eine fondsgebundene Lebensversicherung der Generali abzuschliessen. Ein Vorgehen, das in der Versicherungsbranche verpönt ist. Kommt hinzu, dass die neue Lösung auch noch schlechter ist als die alte.

 

Bei der «Winterthur» beträgt das Todesfallkapital 80 000 Franken, bei der Generali hingegen bloss 60 000 Franken. AWD siehts anders. Für den Wirtschaftsdienst ist Generali besser, weil die Sparprämien in einen Anlagefonds fliessen. Bei der konventionellen Variante der «Winterthur» sind die Überschüsse hingegen wenig transparent. Doch wo es mehr Rendite gibt, weiss man immer erst im Nachhinein.

 

Bei einer Invalidität bräuchte die Familie aus dem Aargau laut eigenen Angaben 6000 Franken im Monat. Von der AHV und der Pensionskasse erhielte sie für die IV-Zusatz- und Kinderrenten über 8000 Franken. Deutlich mehr als nötig. Trotzdem schreckte der Policen-Verkäufer nicht davor zurück, dem 47-jährigen Vater von zwei Kindern auch noch eine

 

Erwerbsunfähigkeitsversicherung aufzuschwatzen. Damit gäbe es noch weitere 1000 Franken. Ein teurer Luxus. Auch die Frau hat einen zusätzlichen Versicherungsschutz erhalten. Auf alle Einzelheiten einzugehen, ginge hier zu weit.

 

Der Mann aus dem Aargau fühlte sich leider erst nach Vertragsunterzeichnung übers Ohr gehauen. Via seinen Berater von der «Winterthur» wollte er die Verträge annullieren lassen. AWD will davon nichts wissen und behauptet: «Die Mandanten fahren mit der neuen Lösung besser als mit den früheren Policen.»

 

Man kann immer irgendwelche Schreckensszenarien an die Wand malen, hier und dort eine winzige Lücke finden und diese zusätzlich versichern. Die geschädigte Familie hat nicht nur den Rückkaufsverlust der «Winterthur»-Policen in Kauf zu nehmen. Sie wird in Zukunft 7500 statt 5000 Franken Prämien zahlen pro Jahr. 50 Prozent mehr Prämie für eine schlechtere Lösung.

 

Erschienen im BLICK am 18. März 2003

Claude Chatelain