Noch mehr Ärger über dubiose Policenverkäufer

Justizministerin Ruth Metzler schaut dem Treiben tatenlos zu.
Justizministerin Ruth Metzler schaut dem Treiben tatenlos zu.

«Vorsicht, wenn Ihnen der beste Freund eine Police andrehen will». So warnte BLICK vor einer Woche. Zahlreiche Leser reagierten darauf - und berichteten von ihren schlechten Erfahrungen.

12 000 Franken: So viel Jahresprämie zahlt eine Frau aus dem Aargau für sich und ihre vier Kinder in eine Fondspolice. Sie glaubte, es handle sich um eine sichere Anlage - und sie könne jederzeit aufs Geld zurückgreifen.

Tatsache aber ist: das Geld ist futsch. Solche Policen haben in den ersten drei Jahren keinen Rückkaufswert. Die Mutter hat viel Geld in den Sand gesetzt. Jetzt will sie rechtliche Schritte in die Wege leiten.

Pech hatte auch Ueli Rohrer. Er ist Inhaber der auf Finanzplanung spezialisierten UBB in Brugg AG. Vor sechs Monaten kaufte er eine Maklerfirma. Interessiert war er vorab an der Kundendatei mit 1500 Adressen. Als Rohrer und seine 17 Mitarbeiter die Dossiers durchforsteten, gabs aber ein böses Erwachen.

«53 Prozent der Dossiers sind unbrauchbar», ärgert sich der Finanzplaner. Die Policenverkäufer der gekauften Firma hätten den Kunden nichts anderes geraten, als bestehende Policen zu kündigen und bei einer anderen Firma neue Verträge abzuschliessen. Rohrer: «Damit verdienten sie ihre Verkaufskommission.»

Die betroffenen Kunden haben den Betrug entdeckt und wollen nichts mehr von Finanzplanung wissen, erklärt Ueli Rohrer. «In kaum einem Dossier habe ich eine Finanz- oder Altersplanung gesehen.» Auch Ueli Rohrer will gegen diese Maklerfirma klagen.

Nach dem revidierten Gesetz würden Policenverkäufer unter Aufsicht des Bundesamts für Privatversicherungen (BPV) gestellt. Die Vernehmlassung zu diesem Gesetz liegt bereits vier Jahre zurück - und noch immer wartet das Parlament auf die Botschaft.

Warum schaut das Departement von Justizministerin Ruth Metzler dem Treiben tatenlos zu? BPV-Chef Herbert Lüthy wollte zu dieser brisanten Frage gegenüber BLICK nicht Stellung nehmen.

Erschienen im BLICK am 21. Dezember 2002

Claude Chatelain