Valora will nicht mehr auf Bico-Matratzen liegen

Bico-Matratzen passen nicht zum Kiosk-Konzern.
Bico-Matratzen passen nicht zum Kiosk-Konzern.

Valora muss sich von Aktionären bald nicht mehr den Vorwurf gefallen lassen, ein Mischkonzern zu sein. Der Bereich Schlafkomfort wird verkauft. Der Grund: mangelnde Synergien.

Der Berner Konsumgüterkonzern Valora ist bald sein Sorgenkind los. Der unter dem Namen Slumberland zusammengefasste Bereich Schlafkomfort soll bis in fünf Monaten verkauft sein. Entsprechende Verhandlungen sind in Gang. Ob der Käufer im In- oder Ausland zu suchen sein wird, konnte gestern an der Bilanzmedienkonferenz aus naheliegenden Gründen nicht enthüllt werden. Sollte die zweite Variante zutreffen, ginge mit Bico erneut eine typische Schweizer Qualitätsmarke in ausländische Hände.

Slumberland ist seit mehreren Jahren ein Problemkind der Konsumgüter-Holding aus Bümpliz. In Deutschland musste ein Werk geschlossen werden, in Frankreich waren es mit unangenehmen Nebengeräuschen in den Medien gar zwei Werke. Nach Angaben von Konzernchef Reto Hartmann ist die Sanierung nun abgeschlossen. Der Patient sei wieder gesund und könne verkauft werden.

Mangelnde Synergie

Der Grund des Verkaufs liege nicht in den vergangenen Problemen, sondern in mangelnden Synergien, wurde gestern versichert. Künftig würden unter dem Valora-Dach nur noch Produkte hergestellt, die sich an Kiosken verkaufen lassen, damit das Synergiepotenzial voll ausgeschöpft werden könne.

Mit dem Verkauf von Slumberland werden aber auch Aktionärsinteressen befriedigt. «Die Gesetze der Börse gelten auch für uns», erklärt Reto Hartmann. «Wir müssen eine Unternehmensstruktur schaffen, die auch für Investoren interessant ist, die sich nicht täglich mit den Details eines Gemischtwarenladens befassen wollen.»

An Produktion festhalten

Demnach will sich Valora voll auf die Kernkompetenzen Detailhandel und Distribution konzentrieren. Folgerichtig stellt sich die Frage, wann die sich zu einem Logistikkonzern wandelnde Valora die Herstellung von Merkur-Kaffee, Kägifret oder Roland-Zwieback aufgeben und deren Marken versilbern wird. Von einem solchen Ansinnen will Hartmann indessen nichts wissen. Er erläutert das am Beispiel des Kaffeegeschäfts: «Wer Kaffee vertreiben will, muss ihn auch herstellen. Wer keinen Kaffee herstellt, kann ihn nicht vertreiben.»

Merkur schlägt Mars

So will der Distributions- und Retailkonzern weiterhin an kleinen Produktionsfeldern festhalten, sofern eine zusätzliche Wertschöpfung erzielt werden kann und sofern es sich laut Hartmann um «fantastische Produkte handelt, die wir ohnehin in unseren Retailshops verkaufen und die uns als Grosshändler die Türen zu Detaillisten öffnen». Mit solchen Eigenprodukten werde ausserdem eine Grundauslastung der Distribution gewährt.

Ein Detail am Rande: 1998 lancierte Merkur erstmals eine Schokolade unter ihrem Namen: den Merkur-Praliné-Riegel. Bereits im zweiten Jahr wurden in der K-Group mehr solche eigene Riegel verkauft als etablierte Markenprodukte wie Mars.

Mächtiger Gewinnsprung

Trotz des unbefriedigenden Geschäftsgangs von Slumberland mit einem Betriebsverlust von knapp 300 000 Franken vermochte Valora gestern stolze Ertragszahlen zu präsentieren. An der letztjährigen Bilanzmedienkonferenz war eine Gewinnsteigerung von einem Viertel in Aussicht gestellt worden. Nun aber beziffert sich der Gewinnsprung gar auf 31 Prozent.

Eine weitere Schlüsselzahl ist der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit). Dieser betrug im zurückliegenden Geschäftsjahr rekordhohe 4,8 Prozent des Umsatzes. Gewisse Analysten hatten allerdings von der Valora noch mehr erwartet. In einer Studie vom 13. April 2000 sagte die Bank Sarasin für 1999 eine Ebit-Marge von 5,5 Prozent voraus. Gleichzeitig empfahl der Autor der Studie, Valora-Aktien zu halten, was oft die diplomatischere Formulierung für Verkaufen darstellt.

Kaufempfehlung für Valora

Andere Analysten teilen diese Meinung nicht. So empfiehlt etwa Klaudia Agbaba von der Bank Sal. Oppenheim die Aktie mit einem Kursziel von mindestens 600 Franken zum Kauf, wie dem Internetdienst für Privatanleger Borsalino zu entnehmen ist. Auch andere Investoren scheinen dieser Meinung zu sein. Die Aktie stieg gestern entgegen des Markttrends um 5 Prozent auf 484 Franken.

Im angelaufenen Geschäftsjahr will Valora den Umsatz um weitere 10 Prozent steigern und eine Ebit-Marge von 7 Prozent erzielen, selbstverständlich unter Ausklammerung des Verkaufs von Slumberland. Geschehen soll dies vor allem dank der Devestition der ertragsschwachen Slumberland und der vollen Konsolidierung der im letzten Jahr gekauften, margenträchtigen Fotolabo.

 

Erschienen in der BZ am 19. April 2000

Claude Chatelain