Rat in der BZ: Je länger im Besitz, desto tiefer die Gewinnsteuer

Wir wollen nächstes Jahr unser Einfamilienhaus verkaufen. Wie verhält es sich mit der Grundstückgewinnsteuer? Können dabei die in all den Jahren getätigten Investitionen, Reparatur- und Unterhaltsarbeiten geltend gemacht werden? Und wie wird die Besitzesdauer von 35 Jahren berücksichtigt?

V. D., Bern

Der Grundstückgewinn bemisst sich nach dem Unterschied zwischen den Gestehungskosten und dem Verkaufserlös. Die Gestehungskosten errechnen sich dabei aus dem Erwerbspreis zuzüglich der gemachten Aufwendungen. Zu den anrechenbaren Aufwendungen gehören alle Auslagen, die zu einer Verbesserung oder Wertvermehrung der Liegenschaft beitragen. All die Aufwendungen, die man bereits im Rahmen des Pauschalabzuges vom steuerbaren Einkommen abziehen kann, sind daher nicht als «anrechenbare Aufwendungen» zu verstehen.

 

Zur Bestimmung der Grundstückgewinnsteuer besteht ein spezieller Tarif: Je höher der Gewinn, desto höher auch der prozentuale Steuersatz. Ein Beispiel: Für die ersten zu versteuernden 2500 Franken beläuft sich der Steuersatz auf 1,44 Prozent, für die weiteren 2500 Franken auf 2,4 Prozent. So geht es weiter bis zu einem maximalen Steuersatz von 8,1 Prozent.

 

Nun zu dem von Ihnen genannten Begriff der Besitzesdauer. Die Grundstückgewinnsteuer bemisst sich nicht nur aufgrund des Gewinnes, sondern auch aufgrund der Besitzesdauer. Je schneller man ein gekauftes Objekt wieder veräussert, desto höher die Steuer. Das bedeutet konkret: Wird ein Haus nach weniger als einem Jahr schon wieder verkauft, erhöht sich die einfache Steuer um 70 Prozent. Beträgt die Besitzesdauer zwischen vier und fünf Jahren, so erhöht sich die Steuer um 10 Prozent. Besitzt man jedoch ein Grundstück länger als fünf Jahre, so reduziert sich die einfache Steuer - und zwar für jedes Jahr seit dem Erwerb um zwei Prozent, höchstens aber um siebzig Prozent. Mit der von Ihnen genannten Besitzesdauer von 35 Jahren kommen Sie damit just aufs Maximum: Die nach dem speziellen Tarif berechnete Grundstückgewinnsteuer wird in Ihrem Fall um 70 Prozent reduziert.

 

Erschienen in der BZ am 27. November 1999

Claude Chatelain