KPT pflegt alten Zopf

Der Zentralvorstand der Krankenkasse KPT ist ein Relikt. Und die Mitglieder weigern sich, daran etwas zu ändern.

Die Zeiten ändern sich; nur nicht bei der Krankenkasse KPT. Vereinsvorstand und Sektionen sind organisiert wie zu den Zeiten, als die KPT eine subventionierte Beamtenkasse war. Ein grosser Teil der Arbeit wird in den 59 Sektionen durchgeführt, meist im Nebenamt. Wer in einer grösseren Sektion das Sagen hat, wird Mitglied des Zentralvorstandes. Dort bleiben die Mitglieder als Sesselkleber bis lange nach ihrer ordentlichen Pensionierung.

 

Die berufliche Qualifikation dieser Vereinsvorstände und Verwaltungsräte gleichen sich: Alle sind sie Beamte und im Nebenamt für die KPT tätig. Auch Hausfrauen findet man darunter. Doch nicht nur die Vorstandsmitglieder arbeiten im Nebenamt für den Berner Krankenversicherer; auch ihre Gattinen. Die Ehefrauen von Walter Brun, Fritz Jenny, Hans Aliesch, Michel Zumwald und Guiseppe Engelberger stehen oder standen alle auf der Lohnliste der KPT. «Guiseppe Engelberger und seine Frau verdienten bei der KPT einen sechsstelligen Betrag», sagt ein Insider.

 

Mit diesem Umstand können die Vorstandsmitglieder gut leben. Kein Wunder, dass sie sich gegen jegliche Neuerung wehren, die ihre Pfründen in Frage stellen. Als Folge dieses reformunwilligen Gremiums zog schon Stephan Hill die Konsequenzen, der von 1992 bis 1995 als KPT-Direktor wirkte. Am gleichen Vorstand beziehungsweise Verwaltungsrat unter Fritz Jenny und Walter Brun könnte nun Hills Nachfolger Walter Kohler scheitern. Ihm wurde vom Vorstand der Ex-Interdiscount-Manager Hans Ziegler als «Interims-Chef» vor die Nase gesetzt und gleichzeitig ein Maulkorb verpasst - ohne Angaben von näheren Gründen.

 

Informationssperren dieser Art sind bester Nährboden für Spekulationen. Unter Beobachtern machen Vermutungen die Runde, die finanziell solide KPT leide unter dem Visana-Effekt. Denn zahlreiche ehemalige Visana-Kunden suchten Schutz bei der für ihre günstigen Prämien bekannten KPT. Selbst Gerüchte über Veruntreuung werden herumgereicht.

 

Der wahre Grund des Zerwürfnisses dürfte indessen viel banaler sein: Ein Machtkampf zwischen dem rückwärts gerichteten Verwaltungsratspräsidenten Walter Brun und dem vorwärts orientierten KPT-Direktor Walter Kohler. Es ist in der Branche bekannt, dass der ehemalige St. Galler Chefbeamte Walter Kohler dem Krankenversicherer eine zeitgemässe Struktur verpassen will, was er zumindest auf Ebene Geschäftsleitung realisiert hat. Der Ausgang dieses Machtkampfes bleibt offen. Eines steht fest: Wird die Geschäftsleitung in globo ausgewechselt, geht ein gerüttelt Mass an Know-how verloren. Das Gleiche kann man vom Zentralvorstand kaum behaupten.

 

 

Ein Altherrenclub mit Dame

 

Der Verwaltungsrat der KPT-Versicherungen AG, dessen Mitglieder auch im Zentralvorstand der KPT-Krankenkasse sitzen, setzt sich zum grossen Teil aus pensionierten Beamten zusammen. Namen und (frühere) Funktionen:

 

Verwaltungsratspräsident Walter Brun (57), frühpensioniert, ehemals Posthalter in Emmenbrücke, vor der Frühpensionierung Regionenleiter Sursee.

 

VR-Vize-Präsident Bernhard Liechti, Direktor der Fidinter Treuhandgesellschaft in Bern, früher bei der STG/Coopers & Lybrand, wo er einen Abgang hatte, der nicht ohne Zwischentöne verlief. Bernhard Liechti ist auch Duzfreund von Hans Ziegler, der nun vom Verwaltungsrat vorübergehend als Manager mit allen Kompetenzen ausgestattet wurde.

 

Hans Aliesch (58), Direktionssekretär bei der Rhätischen Bahn, Chur.

 

Giuseppe Engelberger (60), frühpensioniert, vormals Beamter bei der Telekom PTT in Bellinzona.

 

 

 

 

Fritz Jenni (61), frühpensionierter Postbeamter. Einsatz in diversen Zweigen des Postbetriebes und Verwaltungsdienstes der GD PTT, jedoch ohne Führungsaufgaben. Jenni ist auch Zentralpräsident der KPT.

 

Jacqueline Maurer (54), Hausfrau in Muttenz, im Nebenamt für die KPT tätig.

 

Michel Zumwald (64), pensioniert, vormals bei den PTT in Lausanne.

 

Die KPT-Versicherungen AG gehört der KPT-Krankenkasse. Die Versicherungen AG kümmert sich ausschliesslich um die Zusatzversicherungen, welche dem Privatversicherungsrecht unterstehen. Die KPT-Krankenkasse hingegen hat nach wie vor die Rechtsform eines Vereins. Sie ist für die Grundversicherungen zuständig. Der Zentralvorstand des KPT-Vereins zählt neben den genannten sieben Verwaltungs-räten zusätzliche acht Mitglieder, allesamt aktive oder pensionierte Beamte und Hausfrauen.

 

Erschienen in der BZ am 18. August 1999


Claude Chatelain