Rat in der BZ: Säule 3a ohne Säule 2 - geht das?

Im «Rat in der BZ» vom 14. Juli empfiehlt Allfinanzberater Markus Glauser einer Leserin, einen Teil ihres Einkommens in die steuerbegünstigte Säule 3a einzuzahlen. Die Frau verdient weniger als 24 000 Franken pro Jahr und ist daher keiner Pensionskasse angeschlossen. Ich befinde mich in einer ähnlichen Situation. Nun schreibt aber ein Vorsorgeberater der Rentenanstalt Swisslife in einem Leserbrief (BZ vom 3. August), «dass nur BVG-Unterstellte in die gebundene Vorsorge, sprich 3a, einzahlen dürfen und von dem Steuervorteil profitieren können.» Wer hat Recht? I.S. Thun

Markus Glauser hat Recht. Der Vorsorgeberater der Renten- anstalt irrt sich. «Arbeitnehmer und Selbstständigerwerbende können bei den direkten Steuern von Bund, Kantonen und Gemeinden ihre Beiträge an an- erkannte Vorsorgeformen (...) abziehen», steht in Artikel 7 der «Verordnung über die steuerliche Abzugsberechtigung für Beiträge an anerkannte Vorsorgeformen» (BVV 3). Wenn man keiner Vorsorgeeinrichtung angehört, kann man vom steuerbaren Einkommen bis 20 Prozent des Erwerbseinkommens abziehen.

 

Voraussetzung für das steuerbegünstigte Sparen 3a ist also ein AHV-pflichtiges Erwerbseinkommen, nicht aber die Zugehörigkeit zu einer Pensionskasse. Diese Präzisierung kann nicht oft genug wiederholt werden. In hartnäckiger Regelmässigkeit kursiert die irrige Meinung, Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer müssten Pensionskassenbeiträge zahlen, um in den Genuss des steuerbegünstigten Sparens 3a zu gelangen.

 

Der Leserbriefschreiber der Rentenanstalt bezieht sich in seiner Begründung auf Artikel 81 des Bundesgesetzes über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge (BVG). Dieser Artikel besagt jedoch lediglich, dass die Beiträge an Vorsorgeeinrichtungen von den Steuern abziehbar sind und wie die Bescheinigung durch die Vorsorgeeinrichtung zu erfolgen hat.

 

Übrigens: Der Leserbrief ei-nes Vorsorgeberaters der Rentenanstalt zog einen weiteren Leserbrief eines anderen Vor-sorgeberaters nach - diesmal von der Winterthur Leben. Dieser schreibt: «Die Begründung ist grundfalsch und könnte dazu führen, dass Erwerbstätige vom Abschluss einer Vorsorge in der Säule 3a absehen, obwohl sie die Voraussetzungen erfüllen. Gehört eigentlich zum kleinen Einmaleins eines Vorsorgeberaters ...»

 

Erschienen in der BZ am 6. August 1999

Claude Chatelain