Rat in der BZ: Wie berechnet man den Kapitalwert eines Wohnrechts?

Ich beziehe mich auf den Rat in der BZ vom 4. Februar, in welchem Sie die Vorteile des Wohnrechts erklären. Wie wird der Kapitalwert eines Wohnrechts oder einer Nutzniessung berechnet? Und wozu dient dieser Kapitalwert? H. R. Flamatt.

Nicht alles ist in der Wegleitung zum Ausfüllen der Steuererklärung beschrieben. Fast alles findet man aber auf einem der diversen Merkblättern, die auf dem Steuerbüro der Gemeinde erhältlich sind. Das trifft auch für Ihre Frage zu. Die entsprechende Antwort finden Sie auf Merkblatt Nummer 14.

 

Der Kapitalwert eines Wohnrechts errechnet sich aus der Lebenserwartung des Wohnberechtigten sowie des Mietwertes und dient zur Berechnung der Vermögenssteuer. Wenn Sie als Vater Ihr Haus Ihren Söhnen verschenken und das Wohnrecht behalten, so brauchen Sie das Haus im Vermögen nicht mehr zu versteuern. Aber Ihre Söhne, die nun rechtliche Besitzer des Hauses sind, haben dieses als Vermögen zu versteuern - allerdings nicht zum Amtlichen Wert. Das wäre ungerecht, da sie ja das Haus gar nicht nutzen können. Sie können daher eine Wertminderung durch die Wohnrechtsbelastung geltend machen, den sogenannten Kapitalwert eines Wohnrechts.

 

Je älter der Wohnberechtigte, desto kleiner der Kapitalwert. Sind die Wohnberechtigten zwischen 61 und 70 Jahre alt, so beträgt der Kapitalwert das Neunfache des jährlichen Steuermietwertes. Sind die Wohnberechtigten zwischen 41 und 50 Jahre alt, so beträgt der Kapitalwert das 18fache des jährlichen Mietwertes. Bei mehreren Wohnberechtigten ist das Alter der jüngsten Person massgebend.

 

Dieser Kapitalwert ist übrigens nicht nur für die Vermögenssteuer relevant, sondern auch für die Erbschaftssteuer. Sowohl Nutzniessung wie auch Wohnrecht müssen im Grundbuch eingetragen werden.

 

Erschienen in der BZ am 18. März 1999

Claude Chatelain