Rat in der BZ: Einmaleinlage mit Geld von der Pensionskasse?

Bekanntlich kann man Wohneigentum mit Pensionskassengeldern amortisieren. Ich hörte nun von einem Vorschlag, einen Teil des Pensionskassenguthabens für eine Amortisation zu gebrauchen, danach aber wieder eine Hypothek aufzunehmen und das Geld in eine Einmaleinlage zu investieren. Was halten Sie von einem solchen Vorgehen? Ist das rechtlich überhaupt statthaft? C.B. Bern.

Die Steuerverwaltung des Kantons Bern hatte mir einst klipp und klar folgendes gesagt: «Was mit der Hypothek im Anschluss an die Amortisation geschieht, hat mit der Säule 3a oder der Pensionskasse nichts mehr zu tun und ist ausschliesslich eine Frage zwischen Hypothekarschulder und Hypothekargläubigerin.» Auch bei der Abteilung Berufliche Vorsorge im Bundesamt für Sozialversicherung war zum gleichen Fall zu erfahren, dass es der Bank freigestellt sei, eine Hypothek wiederum aufzustocken - selbst wenn sie davon Kenntnis hat, dass der Kunde die gebundenen Vorsorgegelder zweckentfremdet verwendet hat.

 

Ich sage bewusst «zweckentfremdet». Denn was Sie hier vorhaben, ist nicht im Sinne des Gesetzgebers. Gebundene Vorsorgegelder sollten eben gebunden bleiben, damit die private Vorsorge gewährleistet bleibt. Aus diesem Grunde werden solche Gelder auch steuerlich privilegiert.

 

Nun wollen Sie dieses Geld offensichtich nicht verhühnern, sondern in eine Lebensversicherung mit Einmaleinlage investieren. Insofern wird dem ursprünglichen Zweck der Vorsorge wiederum Rechnung getragen. Hier sind wir nun bei Ihrer anderen Frage angelangt, was ich von Ihrem Vorgehen halte. Meine Antwort: nicht sehr viel.

 

Allerdings muss ich einräumen, dass ich Ihre finanzielle Situation im einzelnen kennen müsste, um diese Frage ab- schliessend beantworten zu können. Unter anderem müsste ich die Risikoleistungen Ihrer Pensionskasse und Ihr Bedürfnis nach einem Risikoschutz kennen. Konkret geht es auch um die Frage, inwieweit der Risikoschutz Ihrer Pensionskasse mit dem Abzug von Geldern geschmälert wird.

 

Bei einigen Kassen werden die Risikoleistungen aufgrund des koordinierten Lohnes berechnet. In einem solchen Fall wird der von der Pensionskasse gewährte Risikoschutz auch bei einem Vorbezug nicht tangiert. Bei anderen Kassen jedoch errechnet sich der Risikoschutz aus dem Alterskapital. Wird nun dieses reduziert, verringern sich auch die Risikoleistungen.

Auf der anderen Seite erhalten Sie mit dem Kauf einer Einmalprämien-Police auch eine Versicherung gegen Todesfall. Die Höhe des Risikoschutzes kann individuell angepasst werden.

 

Man kann sicher bestimmte Fälle so konstruieren, dass sich Ihr Ansinnen auszahlt. Ich möchte aber behaupten, dass das eher Ausnahmen sind. Vielleicht hat Ihnen der Versicherungsagent versichert, dass die Rendite der Einmaleinlagen-Versicherung deutlich über den 4 Prozent liegt, welche Sie auf dem Pensionskassenguthaben erzielen. Dazu nur zwei Bemerkungen:

  • Viele Pensionskassen lassen ihre Mitglieder an den Börsenerträgen partizipieren - zum Beispiel mit höheren Leistungen
  • Die von den Versicherungsberatern in Aussicht gestellten Renditen sind nicht immer garantierte Renditen.

 

Erschienen in der BZ am 24. Februar 1999

Claude Chatelain