Versicherung fremdfinanzieren? Frage zuerst den Steuervogt

Die Zinsen sind tief. Warum nicht die Hypothek aufstocken und mit diesem Geld Aktien kaufen oder eine Einmalprämienversicherung abschliessen? Oder warum nicht ein Darlehen aufnehmen?

Statt Obligationen zu kaufen, deren Zinserträge als Einkommen zu versteuern sind, könnte man eine Einmaleinlagen-Versicherung abschliessen. Nach Ablauf der Laufzeit fliessen die Erträge einkommenssteuerfrei in das Vermögen, sofern der Versicherungsnehmer das 60. Altersjahr vollendet und die Vertragsdauer mindestens fünf Jahre gedauert hat.

 

Zwei Fliegen auf einmal

 

Bei der Einmaleinlage-Versicherung wird der gesamte Prämienbetrag auf einen Schlag einbezahlt - dies im Unterschied zur Lebensversicherung mit periodischer Prämienzahlung. Nun hat aber nicht jedermann 20'000 oder gar 100'000 Franken locker, um eine solche Lebensversicherung abzuschliessen.


Was tun? Die Hypothek aufstocken oder bei der Versicherungsgesellschaft ein sogenanntes Policen-Darlehen aufnehmen, um gleich einen zweiten Steuervorteil zu erlangen? Schuldzinsen lassen sich bei der Einkommenssteuer abziehen.

 

Steuervogt hat das Wort

 

Die Rechnung mag für einige aufgehen. Für andere nicht. Sie wird nicht ohne die Steuerverwaltung gemacht. Nur diese wird nämlich das Okay geben, ob eine solche fremd- oder sonderfinanzierte Einmaleinlagen-Versicherung auch steuerbegünstigt ist und ob der Schuldzinsabzug zu bewilligen ist. Sie tut es nicht in jedem Fall. Einmaleinlage-Versicherungen sind in erster Linie ein Instrument zur Altersvorsorge, Risikoabsicherung und Vermögensbildung. Aus diesem Grund toleriert der Gesetzgeber die dadurch verbundenen Steuerersparnisse. Hat aber die Einmalprämien-Versicherung nur den einen und einzigen Zweck der Steuerersparnis, so könnte das Steueramt die Fremdfinanzierung auf den Tatbestand der Steuerumgehung hin untersuchen und gegebenenfalls die Schuldzinsen nicht zum Abzug zulassen.

 

Sachliche Gründe

 

Nun ist es allerdings ein Unterschied, ob der Versicherungsnehmer die Einmaleinlagepolice über ein Darlehen der Versicherungsgesellschaft finanziert oder über eine Erhöhung der Hypothekarschuld. Im ersten Fall wird die Versicherungsgesellschaft auf den Handel nur eingehen, sofern das Steueramt den Abzug der Schuldzinsen bewilligt hat. Denn nur dann macht das Ganze Sinn. Und der Fiskus wird nur dann «ja» sagen, wenn sachliche Gründe für eine Fremdfinanzierung sprechen.

 

Ein sachlicher Grund sind beispielsweise fehlende liquide Mittel. Aber aufgepasst: «Fehlende liquide Mittel» ist nicht gleichzusetzen mit «fehlende Mittel». Von Eigentümern von Land oder Liegenschaften wird nicht verlangt, ihre Vermögenswerte zu verkaufen, um zwecks Altersvorsorge eine Einmalprämien-Versicherung abzuschliessen. Oder wenn eine Person ein üppiges Aktienportefeuille besitzt, so kann von dieser Person nicht verlangt werden, diese Papiere zu verkaufen - unter Umständen noch mit Verlust. In diesen beiden Fällen ist die Wahrscheinlichkeit gross, dass der Fiskus eine sonderfinanzierte Einmaleinlagen-Versicherung nicht als Steuerumgehung klassifiziert und den Abzug der Schuldzinsen zulässt. Verfügt aber eine Person über keinerlei Mittel und schliesst bei der Versicherungs-Gesellschaft ein Policen-Darlehen ab, so riecht das nach Steuerumgehung.


Hypothek vorziehen

 

Fazit: Wer die Möglichkeit hat, die Einmalprämien-Versicherung mittels Hypothek zu finnanzieren, soll diesen Weg dem Policen-Darlehen vorziehen. Zum einen aus den geschilderten steuerlichen Gründen, zum anderen aus finanziellen Überlegungen. Die Versicherer verlangen für solche Darlehen Zinssätze zwischen 4,5 und 5 Prozent (siehe Kasten). Die Hypothek sollte billiger zu haben sein.

 

Fazit Nummer zwei: Wer vor allem auf Rendite und Steuerersparnis, nicht aber auf Risikoschutz aus ist, sollte mit dem Geld der aufgestockten Hypothek Aktien kaufen. Aktien sind nicht steuerbegünstigt wie besagte Einmalprämien-Versicherungen. Der Steuervogt wird daher einen Handel akzeptieren und den Abzug der höheren Hypothekarzinsen zulassen. Ausserdem ist der Kapitalgewinn bei Aktien erst noch steuerfrei. Der Hypothekarzins wird sich nach Abzug der Steuern zwischen 2,5 und 4 Prozent belaufen, je nach Steuergrenzsatz und Schuldnerbonität. Eine solche Rendite wird man mit Aktien langfristig alleweil erreichen.

 

Erschienen in der BZ am 11. Januar 1999 

Claude Chatelain