Börse 1998: von himmelhoch jauchzend bis zu tode betrübt

Jauchend bis
Jauchend bis

Die Börsenturbulenzen Jahrgang 1998 sitzen noch tief in den Knochen. Dabei geht fast vergessen, dass die Schweizer Börse auch 1998 überdurchschnittlich angestiegen war: um über 14 Prozent.

...betrübt.
...betrübt.

Plus 20 Prozent, plus 59 und nun wieder plus 14 Prozent - dies die stolzen Zuwachsraten des Swiss Market Index SMI der letzten drei Jahre. Besonders der diesjährige Zuwachs ist bemerkenswert. Denn 1998 wird manchem Börsianer in schlimmer Erinnerung bleiben. Es war ein bizzares Börsenjahr; ein Jahr einer saftigen Korrektur von über 30 Prozent, eines Börsenkrachs in Raten. Und trotz dieses Crashs liegen die Börsenbarometer am Ende des Kalenderjahres wiederum im zweistelligen und damit überdurchschnittlich hohen Wachstumsbereich. Die langfristige Performance der Aktienmärkte liegt bei 8 Prozent.

Logische Korrektur


Die plus 14 Prozent sind auch deshalb bemerkenswert, weil die Auguren Anfang 1998 nur einstellige Wachstumsraten prophezeiten. Sie taten dies zu einem Zeitpunkt, als der SMI soeben ein Jahresplus von nahezu 60 Prozent hingelegt hatte. Dass dann der SMI in der ersten Jahreshälfte 1998 um weitere 34 Prozent anziehen sollte, wagte Anfang 1998 kaum jemand zu prophezeien. Insofern war der Sturz von 39 Prozent, von 8412 auf 5126 Punkten in nur zweieinhalb Monaten, nichts als logisch. Logisch ist diese Korrektur natürlich nur rückblickend. Denn in den Monaten Mai und Juni schien diese Korrektur alles andere als logisch, sonst wäre nämlich die Börse nicht weiter angestiegen. Und wenn die zahlreichen institutionellen Anleger von Pensionskassen und Anlagefonds behaupten, sie hätten im Mai und Juni die erzielten Gewinne realisiert, so sind solche Äusserungen mit Vorsicht zu interpretieren. Würden nämlich diese Behauptungen zutreffen, so hätte die Börse bereits im Mai und Juni gekehrt und nicht erst am 21. Juli.

 

Auf dem falschen Fuss


Tatsache bleibt, dass manche Investoren im Hochsommer auf dem linken Fuss erwischt wurden. Und wenn die Börse im Kalenderjahr 1998 dennoch um über 14 Prozent zuzulegen vermochte, so nützt das denjenigen wenig, welche im Frühsommer Aktien kauften. Etliche Blue-chips liegen auch heute noch deutlich unter den im Sommer realisierten Höchstwerten. Ciba und CS-Group schlossen auch gestern über 40 Prozent unter dem im Hochsommer erzielten Jahreshöchst.

 

Neue Turbulenzen in Sicht

 

Niemand wird erstaunt sein, wenn auch das Börsenjahr 1999 ähnlich turbulente Züge tragen wird. Die Spätfolgen der Asienkrise sind auch heute noch kaum abzuschätzen. Und wie die Implementierung der europäischen Einheitswährung vonstatten geht, wird erst die Zukunft zeigen. So geben sich die Prognostiker äusserst zurückhaltend. Die Credit Suisse First Boston beispielsweise formulierte für den Swiss Market Index (SMI) ein Ziel von 7400 Punkten per Ende 1999. Gegenüber dem Schlussstand 1998 entspricht dies einer bescheidenen Steigerung von 3,3 Prozent. Diese Schätzung basiert auf einem zweistelligen Wachstum der Unternehmensgewinne.

 

Die CSFB befindet sich mit ihrer Prognose damit in bester Gesellschaft. Stellvertretend für viele andere sei lediglich die Bank Cantrade zitiert, die per Ende 1999 einen «unveränderten Indexstand von 7000 bis 7500 Punkten» erwartet. Bei solchen Perspektiven ist das gezielte Herauspflücken bestimmter Aktien angesagt. Cantrade empfiehlt Roche, Novartis, Zürich, Rück, CS Group, Adecco sowie den Nebenwert Valora. ·

 

Erschienen in der BZ am 31. Dezember 1998

Claude Chatelain