2. Säule: Wie steht es um den Partner?

Die Pensionskasse der Coop-Gruppe versichert künftig nicht nur Ehegatten, sondern auch Konkubinatspartner.

«Die Witwe hat Anspruch auf eine Witwenrente», schreibt das Bundesgesetz über die Berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge (BVG) vor. Von einer Witwerrente indessen steht nichts. Die Geschlechterneutralität ist bei den Sozialversicherungen nicht gewährt. Wohl meinte der Berner Pensionskassen-Experte Claude Chuard in einem BZ-Interview, «dass jede moderne Pensionskasse heute geschlechterneutrale Leistungen gewährt». Insofern kann manche Kasse nicht für sich in Anspruch nehmen, modern zu sein. Die Geschlechterneutralität wird nach wie vor in vielen Reglementen vermisst.

 

Noch schlimmer verhält es sich mit Konkubinatspartnern. Dieses Gesellschaftsphänomen, welches heute kaum mehr als revolutionär eingestuft werden kann, ist auch bei modernen Pensionskassen meist ein Fremdwort. Die Pensionskasse der Coop-Gruppe (CPV/CAP) will dieses Manko beheben. «Die Ehegattenrente statt der ausschliesslichen Witwenrente kennt die CPV/CAP schon seit Jahren», steht in der aktuellen «CoopZeitung» zu lesen. «Jetzt trägt sie den gesellschaftlichen Veränderungen mit einem weiteren Schritt Rechnung, indem sie die Leistungen für hinterlassene Konkubinatspartner beiderlei Geschlechts verbessert.»

 

Die Pensionskasse schaffe damit die Möglichkeit, eine durch Tod eingetretene Notlage zu vermeiden oder eine Neuorientierung zu erleichtern. Ein solcher Schutz erfolgt jedoch nicht automatisch. Versicherte, die im Konkubinat leben, müssen dies der Pensionskasse mitteilen. Dabei orientieren sich die Kriterien, die für eine Rente oder eine Abfindung angewendet werden, an den Bestimmungen für hinterlassene Ehepartner. Voraussetzung sei jedoch eine massgebliche Unterstützung des Partners durch die verstorbene versicherte Person zu Lebzeiten.

 

Erschienen in der BZ am 30. Dezember 1998

Claude Chatelain