Rat in der BZ: "Wir kaufen uns ein Haus"

Wir kaufen ein Haus auf den 15. Januar 1999. Wie ist das mit dem neuen Steuerrecht? Können wir eine neue Veranlagung machen oder wird das Ganze erst nach zwei Jahren wirksam? J. B. Bern

Der Kauf einer Liegenschaft ist kein Grund für eine Zwischenveranlagung. Es sei denn, das von Ihnen gekaufte Haus liegt nicht im Kanton Bern. In einem solchen Fall müssten Sie sowohl im Kanton Bern wie auch im Kanton des erworbenen Hauses eine Zwischenveranlagung vornehmen.

 

Liegt jedoch das Haus im Kanton Bern, wie ich das aufgrund Ihrer Zeilen vermute, so passiert bis ins Jahr 2001 punkto Steuern gar nichts. In den Jahren 1999 und 2000 zahlen Sie Steuern, basierend auf der Veranlagungsperiode 1997/98. Die entsprechende Steuererklärung wird bald in Ihrem Briefkasten sein.

Die ordentlichen Abzüge für den Liegenschaftsunterhalt, die Abzüge der Schuldzinsen und die Versteuerung des Eigenmietwertes werden daher erst im Jahr 2001 ein Thema - und zwar als Gegenwartsbemessung. Zusätzlich zu dieser Gegenwartsbemessung müssen Sie im Jahr 2001 auch eine Steuererklärung für die zweijährige Vergangenheitsbemessung der Jahre 1999 und 2000 ausfüllen. Diese Steuererklärung dient allerdings nur für die Deklaration der ausserordentlichen Erträge und Aufwendungen. Ein solcher ausserordentlicher Aufwand könnten in Ihrem Fall die Unterhaltskosten für das Haus sein, sofern diese den von der Steuerbehörde tolerierten Pauschalabzug übersteigen.

 

Doch aufgepasst: Unterhaltskosten sind nicht gleich Unterhaltskosten. Ob man schon seit über fünf Jahren in einem Haus wohnt oder eben erst eingezogen ist, hat auf die Definition der Unterhaltskosten einen massgeblichen Einfluss. Wenn Sie ein Haus kaufen und dieses gleich nach dem Kauf für 100 000 Franken aufmöbeln, so ist das eben nicht Unterhalt, sondern Wertvermehrung. Und eine Wertvermehrung kann man nicht telquel von den Steuern abziehen. Mit anderen Worten: Unterhalt stellen Massnahmen dar, die den Ausgleich einer Abnützung oder den Ersatz von Installationen bewirken. Nicht abziehbar sind bei neu erworbenen Objekten jene Investitionen, die einen Mehrwert zur Folge haben. Diese sogenannte «Dumont-Praxis» ist im Merkblatt 15 der Steuerverwaltung des Kantons Bern beschrieben.

 

Erschienen in der BZ am 29. Dezember 1998

Claude Chatelain