Rat in der BZ: "Ich will aus der Säule 3a aussteigen"

Nachdem ich während mehreren Jahren Einzahlungen auf ein «Säule-3a-Konto» bei der Berner Kantonalbank tätigte, liess ich mich im November 1995 zu einer gebundenen Vorsorgepolice bei der Rentenanstalt hinreissen. Dies, obschon ich keine Deckung bei Todesfall anstrebte. Seither zahle ich bei dieser Versicherungsgesellschaft jährlich meine gut 5500 Franken auf das Konto ein. Wie würde nun die ganze Angelegenheit aussehen, wenn ich mich dazu entschliessen würde, diese Police in eine prämienfreie Versicherung umzuwandeln? E.P. Köniz

Eine prämienfreie Versicherung gibt es nicht. Ich mache hier bewusst auf Wortklauberei. Denn die versicherungstechnischen Fachausdrücke, die oft ähnlich tönen und etwas ganz anderes bedeuten, sorgen oft für Verwirrung. Zwei Begriffe sind in diesem Zusammenhang zu unterscheiden: Prämienbefreiung und Prämienfreistellung.

 

Sie können die Prämie freistellen, indem Sie in Zukunft keine Einzahlungen mehr tätigen. Sie belassen aber das Geld bei der Versicherungsgesellschaft, damit Sie keinen hohen Verlust beim Rückkauf berappen müssen. Bei einer solchen Prämienfreistellung reduziert sich der Versicherungsschutz massiv.


Die Prämienbefreiung bedeutet, dass die Versicherungsgesellschaft bei Erwerbsunfähigkeit des Versicherungsnehmers die jährlichen Prämien selber bezahlt - eben befreit - und den Versicherungsschutz aufrechterhält.

 

Wenn für Sie der Todesschutz nicht von Bedeutung ist, haben Sie grundsätzlich zwei Möglichkeiten:

  • Sie können die Prämie freistellen mit entsprechend niedrigerer Todesfall- und Erlebensfallsumme.
  • Sie können den Rückkaufswert auf ein Konto 3a bei einer Bank überweisen und dort anlegen. Allerdings haben Sie dann bei Erwerbsunfähigkeit keine Garantie mehr, Ihr Sparziel zu erreichen.

 

Sie zahlten bisher der Rentenanstalt 22 000 Franken ein. Diese setzen sich aus einem Spar- und einem Risikoteil zusammen. Wenn Sie nun die Prämie freistellen, erhalten Sie bei Vertragsende im Jahr 2009 die aufgezinsten Sparprämien, also das sogenannte Deckungskapital, plus eine nicht garantierte Überschussbeteiligung ausbezahlt. Wenn Sie nun die Police zurückkaufen, beziehungsweise auf ein Säule-3a-Konto überweisen, erhalten Sie nicht das Deckungskapital und schon gar nicht die einbezahlten 22 000 Franken, sondern bloss den sogenannten Rückkaufswert. Dieser errechnet sich aus dem Deckungskapital minus die nicht amortisierten Abschlusskosten.

 

Nun stellt sich die Schlüsselfrage: Bei welcher Variante kriegen Sie in zehn Jahren mehr Geld ausbezahlt? Belassen Sie das Geld bei der Versicherungsgesellschaft, würde ich mit einer Verzinsung von 4,25 Prozent des Deckungskapitals kalkulieren. Überweisen Sie das Geld der Bank, können Sie damit Anlagefonds der Bankstiftung kaufen und langfristig mit einer Rendite von 6 Prozent auf dem Rückkaufswert rechnen.

 

Erschienen in der BZ am 18. Dezember 1998

Claude Chatelain