Rat in der BZ: DM-Fonds in Euro umwandeln?

Mein Sohn hat im Februar 1994 Anteile des Fonds Credit Suisse Capital 2000 zum Kurs von 1497 D-Mark gekauft. Der DM-Kurs belief sich auf Fr. 84.65. Der Kurs des Fonds-Anteils beträgt heute 1988 D-Mark. Soll dieser Fonds mit der Einführung des Euro vorzeitig noch in diesem Jahr verkauft werden? Wie wird mit der Einführung des Euro bei DM-Anleihen abgerechnet? H. H. Thun

Der Credit Suisse Capital Trust (Lux) DM 2000 ist ein Obligationenfonds. Das Fondsvermögen wird vorwiegend in Obligationen oder sonstigen fest oder variabel verzinslichen Wertpapieren mit einem Mindestrating von AA- angelegt. Das Ziel der Anlagepolitik besteht darin, Ende März 2000 mindestens einen Wert von 2000 DM je Anteil zu erreichen.

 

Tatsächlich werden nun auf den 1. Januar 1999 die meisten DM-Fonds in Euro-Fonds konvertiert; nicht aber der CS Capital Trust DM 2000. Dieser wird erst im Verlaufe des Jahres 2000 umgewandelt. Und zwar deshalb, weil das Anlageziel in DM und nicht in Euro definiert ist. Vor diesem Hintergrund brauchen Sie also gar nichts zu unternehmen.

 

Dennoch sollten Sie sich meines Erachtens durchaus die Frage stellen, die 31 Fonds-Anteile oder Teile davon zu verkaufen. Die Frage hängt im wesentlichen von drei Faktoren ab:

  • der künftigen Zinsentwicklung,
  • der künftigen Wechselkursentwicklung,
  • der Struktur des Wertschriftenportefeuilles Ihres Sohnes.

Die Zinsen sind heute ausgesprochen tief. Das Potential gegen unten ist weitgehend ausgereizt. Umgekehrt besteht jedoch die Gefahr, dass im Verlaufe des nächsten Jahres die Zinsen anziehen könnten, auch wenn die Prognosen heute nicht danach aussehen. Die Obligationen sind heute sehr teuer. Das spiegelt sich auch im Kursanstieg von 32 Prozent ihrer Fonds-Anteile. Aufgrund dieser Einschätzung ist ein Verkauf oder Teil-Verkauf in Betracht zu ziehen.

 

Schwieriger ist die Einschätzung über die Wechselkursentwicklung des Euros. Die Anfangsphase wird kaum ohne vorübergehende Schwierigkeiten vollzogen werden können, was sich in einem stärkeren Franken und schwächeren Euro manifestieren könnte. Die Schweizerische Nationalbank wird jedoch alles daran setzen, die Frankenstärke in Grenzen zu halten. Vor diesem Hintergrund können Sie die Obligationenfonds behalten.

 

Zum dritten Punkt kann ich Ihnen keine konkreten Angaben machen, da ich die Vermögensverhältnisse, das Anlageziel und die Struktur des Wertschriftenportefeuilles ihres Sohnes nicht kenne. Angenommen, Ihr Sohn braucht das Geld in den nächsten drei Jahren nicht, so würde ich in der heutigen Zeit den Obligationenanteil im Portefeuille auf maximal 30 Prozent begrenzen. Liegt der Obligationenanteil darüber, so würde ich die Anteile des Fonds Credit Capital 2000 bei den heutigen hohen Kursen verkaufen und statt dessen Anteile eines oder mehrerer Aktienfonds kaufen.

 

Erschienen in der BZ am 17. Dezember 1998

Claude Chatelain