Durch Iolab-Uebernahme jetzt Nummer 5 bei den Augenheilmitteln

Dass Schweizer Firmen in den USA einkaufen gehen, ist nichts Neues. Roche und Sandoz haben mit Syntex und Gerber bereits fette Fische an Land gezogen. Durch die Uebernahme eines Teils der Johnson & Johnson-Tochter Iolab-Corporation hat nun Ciba-Geigy die Voraussetzungen für ein zünftiges Wachstum im weltweiten Augenheilmittelmarkt geschaffen.

Die in Bülach ansässige Ciba Vision Management AG ist eine Abteilung der Ciba Vision Corporation (CVC) in Atlanta. CVC ihrerseits gehört der Ciba-Geigy Corporation in Ardsley, New York. Und die New Yorker Corporation ist - wie man weiss - eine Tochter des Ciba-Geigy Konzerns in Basel. Ferner teilt sich Ciba Vision in die beiden Bereiche Kontaktlinsen, -pflegemittel sowie Augenheilmittel. Das operationelle Zentrum des zweiten - und weit kleineren - Bereichs befindet sich in Bülach. Nun wird dieser Bereich einen gewaltigen "Push" bekommen und den letztjährigen Umsatz von 130 Mio Fr. verdoppeln können. Man hat sich für 300 Mio Dollar die gesamte Produktelinie von Iolabs Augenheilmittel gekauft. Die Iolab Corporation ist eine Tochter des 15-Mrd-Dollar-Konzerns Johnson & Johnson. Was indessen Iolab an Instrumenten und Hilfsmitteln für die Durchführung von Operationen und medizinischen Eingriffen fabriziert, ist in der Transaktion nicht eingeschlossen.

Der weltweite Markt für Augenheilmittel (Ophthalmika) wird auf 3 Mrd Dollar geschätzt, wovon 36% auf Nordamerika, 34% auf Europa und 21% auf Japan entfallen. Die prognostizierten Wachstumsraten für die nächsten Jahre liegen zwischen 5% und 7%. Weltweit wird Ciba Vision dank der Umsatzverdoppelung zu den 5 Grössten gehören: nach Nestles Alcon, der kalifornischen Allergan, dem amerikanischen Pharmariesen Merck und Santen Pharma aus Japan. Von Analysten wird diese Akquisition als eine gute Sache angesehen. Nicht zuletzt auch deshalb, weil die Bülacher bisher nur über ein einziges wirklich starkes Produkt verfügten, das ophthalmologische Voltaren zur Verhinderung von Entzündungen nach Operationen. Auf einen Schlag kommt nun Ciba Vision zu annähernd 40 zusätzlichen Produkten, darunter auch HypoTears, dem in den USA führenden Heilmittel gegen trockene Augen.

Strategisch

Für Luzi von Bidder, Chef der Ophthalmika-Division in Bülach, handelt es sich um eine "Strategische Akquisition". Das Absatznetz sei geknüpft, so dass sich mit den zusätzlichen Produkten die Marktdurchdringlichkeit erhöhen lasse. Schliesslich werde der Ophthalmiatrik-Bereich eine Grösse erlangen, der es erlaube, ein effizientes Forschungs- und Entwicklungsprogramm durchzuführen, das es mit den Grossen der Branche aufnehmen könne. Im weiteren sichert sich Ciba-Vision mit den Iolab-Produkten eine starke Präsenz auf dem US-Markt, dem grössten der Welt. Denn bisher war das Ophthalmika-Business vorab auf Europa konzentriert. Produktionsstätten befinden sich in Frankreich, Deutschland und der Schweiz. Das ist auch der Grund, weshalb sich das "Nervenzentrum" nicht in Atlanta, sondern in Bülach befindet. Und ob nun die "Opthalmic Business Unit" - intern abgekürzt mit CVO - nach Atlanta verlegt wird, konnte Ciba-Vision-Firmensprecher Jeff Callender nicht bestätigen.

Von strategischer Bedeutung ist ebenfalls, dass sich das bisher schwächste Bein innerhalb Ciba Vision zu stärken vermochte. Denn im Bereich Kontaktlinsen und -pflegemittel liegt Ciba Vision weltweit bereits auf Rang zwei, hinter Bausch-Lomb Inc. in Rochester, New York. Der Kontaktlinsen-Marktleader setzte 1993 insgesamt 1,8 Mrd Dollar um. Er fabriziert neben Kontaktlinsen und den dazugehörenden Pflegemitteln auch Feldstecher, Operngläser, Fernrohre sowie Sonnenbrillen der Marke Ray-Ban.

Hohes Wachstum

Ciba Visions Umsatz wuchs im letzten Jahr auf 700 Mio Dollar. Das sind 5% des Konzernumsatzes und 11% desjenigen im Gesundheitsbereich. Freilich hat man es hier mit einem Geschäftszweig zu tun, der alljährlich zweistellige Wachstumsraten aufweist. Plus 12% 1991, plus 13% 1992 und plus 19% 1993. Das Wachstum ist zum Teil auf Akquisitionen zurückzuführen. Im letzten Jahr wurden der japanische Linsenhersteller Ricky sowie die französischen Laboratoires H. Faure aufgekauft.

Man hat es buchstäblich erwartet, dass Ciba-Geigy in den USA eine weitere Transaktion tätigen wird - und vielleicht wird es in diesem Jahr auch nicht die letzte sein. Roche und Sandoz kauften ihrerseits bereits für mehrere Milliarden Dollar Töchter ein. Drei Gründe sind für diese Kauflust zu nennen. Erstens erfreuen sich die Schweizer Multis prall gefüllter Kriegskassen. Zweitens verlockt der tiefe Dollar zum Shoppen. Und drittens - vermutlich der wichtigste Grund - gelten ab nächstem Jahr neue Buchhaltungsregeln für die Verbuchung des Goodwills.

Erschienen in der Handelszeitung am 18. August 1994

 

Claude Chatelain